Die verbeulte Lampe Kapitel 10: Die Klinge der Erde

 

 

Die verbeulte Lampe

Kapitel 10: Die Klinge der Erde

Von mypenname3000

Übersetzt von Horem

© Copyright 2014


Story Codes: No Sex, Violence

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Note: Thanks to b0b for being my beta reader.

Mittwoch, 22. Januar

Ein Rabe beobachtete das Unmei Haus. Er hockte auf einer Stromleitung. Er hatte das Haus schon zwei Tage lang beobachtet, seit sein Meister ihn dazu aufgefordert hatte. Ein Auto fuhr weg. In ihm saßen vier Menschen, die alle jeweils einen mächtigen Talisman hielten. Jeder stank nach einem anderen Element. Der Rabe flog los. Der Meister brauchte diese Information.

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„Was bist du, Britney“, fragte Kyle, als er den Ford Taurus startete. Er hatte zwar Hausarrest und er durfte nicht fahren, aber das hier war ein Notfall und es war ihm egal, ob er noch größeren Ärger mit seiner Mutter bekam. Aaliyah war in Gefahr.

„Eine Rakshasa.“

„Eine was?“, Er legte den Rückwärtsgang ein und fuhr aus der Einfahrt heraus.

„Das ist ein Monster aus Indien“, warf Fatima ein.

Britneys wirres Haar sträubte sich. „Ich bin kein Monster.“

„Ja richtig, tut mir leid.“

„Entschuldigung angenommen, Fatima. Meine Art hat in Indien und an anderen Stellen der Welt gelebt. Wir sind katzenartige Gestaltwandler. Wir mischen uns mit der einheimischen Bevölkerung.“

„Bist du deswegen weiß und siehst nicht aus wie eine Inderin?“, fragte Kyle, als das Navigationssystem die ersten Anweisungen von sich gab.

„Ja.“ Britney nickte.

Meine beste Freundin ist also eine Rakshasa. Warum auch nicht? Ich bin mit einem Lampengeist verheiratet. Das ist also eigentlich gar nichts Besonderes. „Britney, du hast eben gesagt, dass du geschworen hast, mich zu beschützen.“

„Meine Art steht unter einem… Zwang. Wir suchen immer starke Personen, denen wir dienen und die wir beschützen. Wir sind die besten Leibwächter der Welt.“

„Und du glaubst, dass ich eine von diesen… starken Personen bin?“

„Natürlich. Das habe ich schon an dem Tag gespürt, als wir uns getroffen haben. Ich habe mich deinem Schutz gewidmet und darauf gewartet, dass eines Tages deine Größe enthüllt wird.“ Sie warf ihm ein Lächeln zu. „Ich bin sehr froh, dass wir jetzt an der Schwelle zu diesem Tag stehen.“
„Und deine Mütter… sind die beiden auch Rakshasas?“

„Nur Abigail“, antwortete Britney. „Aber sie sind beide meine Eltern.“

„Aber das sind doch beides Frauen“, keuchte Fatima. „Du hast irgendwo da draußen auch noch einen Vater, richtig? Du weißt schon. Irgendwen, der sich für sie Samenbank einen runtergeholt hat.“

„Nein. Meine Gattung ist hermaphroditisch.“

Das kam Kyle irgendwie bekannt vor. Hatte er davon schon in Biologie gehört?

„Dann bist du eine Futanari?“, fragte Fumi. Sie war so still gewesen, dass er beinahe vergessen hatte, dass sie auch im Auto war.

„Ja, so nennt man das“, antwortete Britney. Ihr Haar raschelte.

Kyle spürte, wie seine Wangen sich röteten. Er kannte das Wort von der Internetseite 4chan.

„Was heißt das?“, fragte Fatima. „Das ist ein japanisches Wort, oder?“

„Sie hat einen Penis“, sagte Fumi. Ihre Stimme klang sexy und ihr Parfüm füllte Kyles Nase. Sein Herz schlug schneller.

„Oh“, flüsterte Fatima. Kyle konnte im Rückspiegel sehen, wie ihre Augen groß wurden. Ein verdorbenes Grinsen explodierte in ihrem Gesicht. „Und funktioniert der auch, Britney?“

„Beide meine Sexualorgane sind voll funktionsfähig.“

Voll funktionsfähig? Kein Wunder, dass sie immer so sackartige Hosen trägt! dachte Kyle.

„Wow!“, sagte Fatima. „Voll funktionsfähig. Dann reibst du dir die Muschi und du wichst deinen Schwanz?“

„Natürlich. Ich bin ein Teenager. Ich habe dieselben Hormone wie jeder andere Teenager auch, Allerdings habe ich mehr Kontrolle als der eine oder andere junge Mann, den ich kenne.“

Kyle ignorierte diese Bemerkung. „Dann kennst du dich also auch mit Hexen und Hexenzirkeln aus? Was erwartet uns?“

„Avatare, Geister, Zauberer und Zaubereien“, antwortete Britney.

„Was ist das hier? Eine Kampagne aus Dungeons and Dragons?“, murmelte Kyle.

„Nein. Avatare sind Tiere, die durch eine Hexe kontrolliert werden. Sie können… verzaubert sein. Größere Geschwindigkeit, größere Stärke, größere Tödlichkeit. Geister sind elementare Wesen. Die Ursprungsessenz des Universums. Die physikalischen Essenzen von Feuer, Wasser Erde und Luft, die emotionalen Essenzen von Liebe, Ärger, Freude und Trauer, die abstrakten Essenzen von Leben, Tod, Licht und Dunkelheit. Hexen benutzen Gebete zu einem der Götter oder zu einer der Göttinnen, größeren Geistern als den zwölf bescheidenen und diese Wesen bringen dann die niedrigeren Geister dazu, den Wunsch der Hexe zu erfüllen. Der Hexenzirkel, zu dem Christy gehört, dient Hecate, einer Göttin der schwarzen Magie und der Zauberei.“

„Dann hat Christy also einen solchen Geist auf mich angewendet?“

„Indirekt. Sie hat zu Hecate gebetet und die Göttin hat dann den Geist angewiesen, Christys Wunsch umzusetzen. Ich würde mal annehmen, dass hinter dem Spruch wohl ein Elementargeist der Dunkelheit steckte.“

„Und wie sollen wir gegen so etwas ankämpfen?“

Britney hielt ihr Katar hoch. Eine dreieckige Klinge, in die ein blaues Metall eingearbeitet war. Das Katar – genau wie auch Kyles Katana, Fatimas Speer und Fumis Bogen – waren von Aaliyah gekommen und hatte sich dem Kampfstil der Trägerin angepasst. Kyles Katana war ursprünglich ein Krummsäbel gewesen und das Katar ein gebogener arabischer Dolch. „Wasserkralle scheint ein Talisman zu sein, der auf die Geister des Wassers abgestimmt ist. Ich würde glauben, dass ich mit der entsprechenden Übung diese Geister kontrollieren könnte.“
„Ja, das hat Aaliyah erwähnt.“

Britney drehte sich um und sah Fumi an. „Ich denke, dass es an der Zeit ist, dass du enthüllst, was du verbirgst. Ich kann die Pheromone riechen, die du absonderst.“

Fumi wurde blass.

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Christy floh aus dem Wohnzimmer. Sie floh vor Kyle.

Was habe ich getan? Tränen flossen ihr über die heißen Wangen. Ich habe ihn mit einem Spruch belegt! Ich habe Aaliyah in den Tod geschickt!

Ich bin ein Wurm! Ein schmutziges Ding!

Sie rannte durch die hintere Tür in Kyles Garten. Hier stand eine einsame Kastanie. Vor dem Baum fiel sie auf den Boden. Die Erde war kalt an ihren Knien. Ihre Tränen fielen wie Regen. Ich habe Aaliyah in den Tod geschickt. Ich verdiene Kyle nicht.

Christy schluchzte unter dem Baum und die Sonne ging unter. Dunkelheit umgab den Garten. Der Wind frischte auf und ihr wurde kalt. Es war ihr egal. Sie verdiente es zu leiden. Zu frieren.

„Warum bin ich bloß dem Hexenzirkel beigetreten?“, flüsterte sie zu sich selber.

Sie war durch das Versprechen hineingelockt worden, dass ihre Mutter geheilt werden konnte. Und es hatte funktioniert. Der Eierstockkrebs ihrer Mutter hatte sich tatsächlich zurückgebildet. Aber erst nachdem sie ihren Eid gegenüber Hecate und Ms. Franklin abgelegt hatte, verstand sie den wahren Preis für die Macht. Und dann saß sie in der Falle. Sie war darauf reduziert, ein Spielzeug für die perversen Gelüste von Ms. Franklin zu sein.

Und jetzt hatte sie sowohl den Zirkel als auch Kyle betrogen. Und sie hatte eine ihrer Festungen verraten und den Ort, an dem Aaliyah festgehalten wurde. Sie hatte alles weggeworfen. Christy würde bestraft werden. Und sie verdiente die Strafe für das was sie aus eifersüchtiger Liebe getan hatte.

Wenn ich jemals den Hexenzirkel betrüge, dann soll mich Hecate mit Verrücktheit und dem Tod bestrafen.

Der Wind wurde stärker und ein zwitscherndes Geräusch wurde an ihr Ohr getragen. Sie zuckte zusammen und schaute sich im Garten um. Die Luft waberte und etwas rutschte den Zaun herunter. Es war beinahe unsichtbar und bewegte die Luft so ähnlich wie wenn die Sonne auf den Asphalt brennt. Nur war Januar und die Sonne verschwand hinter grauen Wolken.

Erinnyen waren gekommen, um sie zu bestrafen.

Sie starrte auf den Luftwirbel: „Es tut mir leid, Aaliyah!“, schrie sie in den Wind. Irgendwie hoffte, sie, dass der Lampengeist sie hören könnte. Sie schloss die Augen und wartete darauf, dass die Erinnyen ihr Leben beendeten.

*Es tut dir leid?* flüsterte ein neuer warmer Atem in ihr Ohr.

„Ja!“

Der Wind wehte zwischen Christy und der Verwirbelung.

*Wenn du ernsthaft Reue verspürst, dann bitte um meinen Schutz.*

Die Verwirbelung zerrte wütend am wehenden Wind. „Sie gehört mir! Sie hat meine Mutter betrogen! Geh zur Seite!“

Der Wind wehte stärker und wirbelte Laub auf.

„Wer bist du?“, fragte Christy.

*Ishtar.*

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„Sind eigentlich alle Frauen in meinem Leben anormal?“, murmelte Kyle vor sich hin.

„Ich bin total normal, großer Bruder!“

„Du bist nicht in Wirklichkeit irgendeine Art von Succubus?“

„Nein.“

„Ich muss wissen, was du bist, Fumi“, sagte Britney. „Ich muss wissen, ob du eine Bedrohung für Kyle darstellst.“

„Ich bin keine Bedrohung für Kyle“, flüsterte Fumi mit einer gewissen Unsicherheit in der Stimme. „Ich liebe ihn. Ich bin eine Yuki-onna, ein… äh… Succubus, wie ihr in Englisch sagen würdet.“

Britney stellte die Haare auf. „Keine Bedrohung? Falls Kyle jemals vaginalen Geschlechtsverkehr mit dir hat, wird er sterben.“

„Was?“ fragte Kyle.

„Nein, das wird er nicht!“, widersprach Fumi und sie schwoll an wie eine zornige Gewitterwolke. „Er ist der richtige Mann für mich. Das weiß ich einfach! Er wird meine vollständige Umarmung überleben!“

„Werde ich das?“ Kyle hatte keine Ahnung, wovon gerade gesprochen wurde.

„Ist er nicht!“ Britneys Worte explodierten wie die Gischt an einem Kliff. „Du würdest ihn töten, wenn er jemals sein Sperma in deine Vulva spritzen sollte. Er kann nicht der Mann für dich sein.“

„Doch, das ist er!“ gab Fumi zornig zurück. „Ich weiß es!“

„Mein Gott, und ich wäre Samstagnacht beinahe in deiner Muschi gekommen! Willst du damit sagen, dass…“

„Ja!“ zischte Britney, während Fumi „Nein!“ keuchte.

„Ich bin völlig verwirrt“, sagte Fatima.

„Ich auch“, sagte Kyle.

„Sie ist ein Wesen, das sich von der männlichen Lebensenergie ernährt“, erklärte Britney. „Ich bin sicher, dass du schon bemerkt hast, wie sie hinter Sperma her ist.“

„Ja. Es kommt ihr sogar, wenn ich ihr in den Mund spritze.“

„Und das bringt ihn nicht um“, sagte Fumi. „Wenn wir langsam machen und uns Schritt für Schritt auf den ‚vaginalen Verkehr‘ zu bewegen, dann wird es Kyle gut gehen.“

„Aber letzten Samstag…“

Fumi wurde rot. „Da habe ich die Kontrolle verloren. Meine Pheromone haben dich überwältigt. Wenn Christy nicht angerufen hätte…“

Kyle erschauderte.

„Aber wenn wir mal genug Anal- und Oralsex gehabt haben, dann wirst du überleben können. Dann wirst du dich an den Hunger meines Körpers gewöhnt haben.“

„Nein, das wird er nicht“, wandte Britney ein. „Kyle ist nicht zu 100 Prozent Japaner. Er kann unmöglich genau zu dir passen.“

Tränen stiegen in Fumis Augen. „Er muss es sein! Ich liebe ihn doch! Ich spüre das in mir.“

„Er ist es nicht, Fumi.“ Britneys Stimme wurde sanfter. „Es tut mir leid.“

Fumi zitterte einen Moment, dann beruhigte sie sich wieder und bekam ihre Emotionen unter Kontrolle. „Ich liebe ihn wirklich. Ich würde ihn nie verletzen.“

„Dann halte dich fern von ihm“, sagte Britney. „Deine Liebe ist verflucht.“

Fumi wurde wieder von ihren Emotionen gepackt, dann beruhigte sie sich wieder. „Das ist nicht wichtig“, sagte sie und wischte sich die Tränen ab. „Darum können wir uns später kümmern. Wir müssen unsere andere Liebe jetzt retten, Kyle!“

„Dann gibt es wirklich keine Möglichkeit, dass Fumi und ich zusammen sein können?“ fragte Kyle Britney. Er wollte das Thema noch nicht beenden.

„Nein.“

„Verdammt. Aaliyah ist vielleicht schon tot. Christy hat mir das Messer in den Rücken gestoßen und du sagst mir, dass ich auch nicht mit Fumi zusammen sein darf!“

„Das Leben ist selten fair.“

„Verdammt!“

„Und was ist mit Niqualmie?“ warf Fatima ein.

Britney runzelte die Stirn und schob ihre Brille nach oben.

„Ist das nicht so eine Erzählung der Indianer?“, fragte Kyle.

„Ja“, antwortete Britney. „Sie ist ein machtvoller Geist, der auf dem Mount Rainier wohnt. Vielleicht könnte sie tatsächlich einen Weg finden, wie ihr doch zusammen sein könnt.

Hoffnung trat in das Gesicht von Fumi. „Erzähl von Niqualmie.“

„Sie ist so etwas wie ein Orakel oder ein Geist“, erklärte Fatima. „Die Puyallup Indianer haben eine Geschichte von ihr. Es gab einmal einen Jungen und ein Mädchen aus verfeindeten Dörfern, die sich liebten. Das Mädchen stieg auf den Mount Rainier und bat Niqualmie um Hilfe. Der Geist befand, dass die Liebe des Mädchens rein war, also gab sie ihr eine Reihe von Aufgaben, die dazu führen sollten, dass die beiden Dörfer wieder befreundet wurden. Sie hat einige Zeit damit verbracht, diese schwierigen Aufgaben zu meistern. Schließlich gelang es ihr, die beiden Dörfer befreundeten sich und sie konnte ihren Liebsten heiraten.“

„Niqualmie ist ein Elementargeist der Liebe“, sagte Britney. „Ein machtvoller Geist. Wenn eure Liebe rein ist und die Entschlossenheit groß, dann könnte sie euch helfen. Suche sie an den Hängen des Mount Rainier. Du musst vieles riskieren, um sie herbeizurufen. Du musst dich dem harten Winter aussetzen und dich nackt in den Schnee legen. Nur wenn du am Abgrund des Todes stehst, wird Niqualmie zu dir kommen.“

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Zölestines Handy läutete.

Sie fluchte und löste ihren Blick vom Hexenzirkel und vom Lampengeist, der immer noch schwach gegen die silbrigen Lichter ankämpfte. Sie ging durch die Hütte in Richtung auf ihre Tasche und holte das Handy heraus. Als sie die Telefonnummer des Anrufers erkannte, erstarrte sie.

„Meister!“, hauchte sie und ihr Magen wand sich.

„Hast du den Djinn schon leergesaugt?“ Seine Stimme war kalt und kratzig.

Sie erstarrte. Woher wusste er das? „Noch nicht“, antwortete sie vorsichtig. „Ich wollte die Aufgabe erst beenden, bevor ich dich informiere“, log sie. Auf ihrer Stirn brach Schweiß aus. „Ich weiß, dass du es hasst, wenn man dich mit solchen Lappalien belästigt.“

„Du bist immer so vorausdenkend, Zölestine.“

Er muss mich beobachten. Zölestine entschied, dass es nicht wichtig war. Wenn sie erst einmal den Lampengeist leergesaugt hatte, dann konnte sie ihren Meister zerstören und seine Position einnehmen. Er stand in Hecates Kreis sehr weit oben und sie wollte gerne seine Macht haben.

„Kyle Unmei und drei andere versuchen, das Mädchen zu retten. Sie haben Elementar-Talismane. Sei bereit. Verliere meinen Djinn nicht. Ich würde diesen Faux pas nicht übersehen.“

Ihre Knie zitterten. Er weiß, dass ich ihn verraten will. Und es ist ihm egal. Ist er wirklich derartig mächtig? „Das werde ich schon nicht, Meister. Ich habe viele Avatare, die uns bewachen.“

Die Verbindung wurde unterbrochen.

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„In 500 Meter links abbiegen“, sagte die Stimme aus dem Navigationssystem.

Zwischen den dichten Bäumen weiter vorne war eine Lücke. Eine Schotterpiste verlor sich im Grünen. Kyle bremste ab. Sie waren jetzt schon sehr nahe. Es war nur noch eine Meile. Die Furcht hatte sein Herz fest im Griff. Bitte lebe noch, Aaliyah!

Kyle bog ab. Kies spritzte hoch. Die Straße war eng und wand sich und das Auto hüpfte durch Schlaglöcher, während er es über die Piste jagte. Die Bäume schwankten im Licht seiner Scheinwerfer. Die Sonne war vor etwa einer Stunde untergegangen und das Gestrüpp schien das Licht aufzusaugen. Die Straße machte eine scharfe Rechtskurve und das Auto rutschte auf dem Geröll, als Kyle in die Bremse trat und durch die Kurve schleuderte.

Fatima ließ einen übertriebenen Schrei los und hüpfte auf der Rückbank. „Los, los! Ich bin bereit, einer dieser abgefuckten Hexen in den Arsch zu treten!“

Kyle schleuderte um eine weitere Kurve. Er fuhr viel rücksichtsloser als jemals zuvor in seinem Leben. Dann führte die Straße geradeaus und im Hintergrund konnte man eine Hütte erkennen. Er trat das Gaspedal bis zum Bodenblech durch. Der Motor jaulte auf und das Auto sprang über die Straße auf eine Holzbrücke über einen Hohlweg zu.

„Die Brücke! Stopp!“, rief Britney.

Kyle sah es auch. „Scheiße!“ Er trat auf die Bremse.

Die Mitte der Brücke war weg. Dort sah man nur zersplitterte Bohlen. Das Bremspedal pulsierte, als das Auto über den Kies rutschte. Sie waren zu schnell. Das Rumpeln von Reifen auf Kies wurde zu schrillem Kreisen von Gummi auf Holz. Das Auto rutschte nach links und hielt auf einen der tragenden Balken der Brücke zu.

Metall kreischte. Airbags explodierten. Weißer Rauch füllte den Innenraum. Schmerz machte sich in Kyles Brust breit. Der Sicherheitsgurt schnitt sich in seine Rippen. Er hatte Panik. Das Auto stand in Flammen. Er versuchte, sich zu bewegen, den Gurt zu öffnen, als er erkannte, dass der Rauch von den Airbags stammte.

„Verdammt!“, murmelte Fatima.

„Ist jemand verletzt?“, fragte Britney, viel zu ruhig.

„Ich bin okay“, stöhnte Kyle. „Fumi?“

Sie sagte etwas auf Japanisch. „Ich bin auch okay. Ich hab mir nur auf die Lippe gebissen.“

Kyle schaffte es schließlich, den Gurt zu lösen und er fiel beinahe aus dem Wagen. Die Front war verbeult und er konnte die Kühlflüssigkeit riechen, die auf dem heißen Motorblock kochte. Mehr von der neongrünen Flüssigkeit tropfte auf die Holzbrücke.

„Ich hätte gedacht, dass du ein besserer Fahrer wärest“, stöhnte Fatima und kroch vom Rücksitz herunter.

„Die Brücke ist weg“, antwortete Kyle.

Fatima blinzelte, als sie das Loch sah. „Scheiße!“

Britney stand am Rand des Loches und schaute in die Tiefe des Hohlwegs. Die Seiten waren steil, von dichtem grünem Farn bedeckt und an seiner Sohle murmelte ein kleiner Bach. Es sah nicht einfach aus, hinunter und auf der anderen Seite wieder nach oben zu klettern, besonders in der Dunkelheit.

„Wir müssen irgendwie drum herum laufen!“ Kyle schaute auch in den Hohlweg. „Das wird nicht einfach!“

Britney schüttelte den Kopf. Dann machte sie einen Schritt über die zerbrochene Kante der Brücke.

Kyles Schrei wurde zu einem erstickten Grunzen. Britney schwebte in der Luft. Er runzelte die Stirn. Es sah so aus, als ob sie in der Luft stand.

„Das ist ein Zauber“, erklärte sie. „Die Brücke ist nicht wirklich weg. Wenn man genau hinschaut, kann man Piniennadeln und andere Sachen sehen, die auf der Brücke liegen.“

„Dann haben wir ja unseren Weg“, nickte Fumi. Sie öffnete den Kofferraum des Autos und nahm den Bogen heraus.

„Dann wollen wir diesen Hexen mal in den Arsch treten!“, grinste Fatima. Sie nahm sich ihren Yari. Dann zog Kyles Schwester noch ein Schwert aus dem Kofferraum und warf es ihm zu. Erdknochen vibrierte in seinen Händen. Das erinnerte Kyle an nichts anderes als an einen Hund, der mit dem Schwanz wedelt. Es freut sich, dass es von mir geführt wird.

„Lasst uns jetzt Aaliyah retten!“, rief er und zog die wunderbare Klinge aus der Scheide.

Kyle trat zu der Illusion des Loches, atmete tief und machte dann einen Schritt vorwärts. Dass er Britney das eben hatte machen sehen, machte es für ihn nicht einfacher. Sein Fuß berührte massives, wenn auch unsichtbares Holz. Er schluckte und machte noch einen Schritt und dann noch einen. Es war leichter, wenn man nach vorne schaute.

Fatima rannte an ihm vorbei. Sie schien sich überhaupt keine Gedanken zu machen. Sie erreichte die Schotterpiste auf der anderen Seite, drehte sich um und grinste. Es war für seine kleine Schwester alles nur ein Spiel.

Der Bär erhob sich aus dem Busch hinter ihr. Brutal, groß, mehr als drei Meter hoch. Seine Augen glühten rot. Krallen schlugen nach seiner Schwester. Sie lächelte nur und hatte keine Ahnung, dass eine massive Pfote mit glänzenden Krallen auf sie herunter sauste.

Etwas Grünes flog an Kyle vorbei. Dahinter kam ein Wind, der seine Kleidung bewegte. Der Pfeil blieb im Bär stecken und explodierte in einem Sturm, der Fatima umwarf. Der Schlag des Bären verpasste seine Schwester. Der Bär brüllte vor Schmerz und taumelte. Ein zweiter Pfeil kam geflogen und zischte über den Kopf des Bären. Er brüllte und ließ sich nach vorne auf seine Vordertatzen fallen. Dann lief er auf die Brücke zu.

Britney sprang aus dem Weg. Als sie noch zischte, bildeten sich auf ihrem Gesicht schwarze Streifen. Fatima rappelte sich hoch und hob ihren Yari. Kyle atmete tief ein und konzentrierte sich. Er hielt den Katana in beiden Händen. Er würde einen Schlag ausführen können und er brauchte jedes Gramm seiner Stärke, um das Tier zu fällen.

Scharfes Klappern ertönte vom Holz her. Die Brücke erzitterte unter dem Bären. Rote Augen fixierten jemanden hinter Kyle – Fumi. Wind flog vorbei. Etwas Grünes flog vorbei. Ein weiterer Pfeil steckte in der Schulter des Tieres. Es zuckte nicht einmal.

„Kyle!“, rief Fatima und rannte von hinten auf das Untier zu.

Er konnte den stinkenden Atem des Bären riechen, die Hitze seines Atems spüren. Kyle schrie und konzentrierte seine Energie in seinen Schlag. Erdknochen flammte golden auf und das Licht badete die Brücke mit der Wahrheit. Holz erschien unter ihm. Der Zauber war durch Stein gebrochen.

Kyle holte aus und schwang sein Schwert.

Es schnitt tief in die Schulter des Bären und fuhr bis in seine Brust. Viel tiefer als es hätte schneiden dürfen. Es trennte die dicke Haut, kräftige Sehnen und schwere Knochen. Blut spritzte warm und salzig auf sein Gesicht und dann traf ihn der Koloss. Die Welt um ihn herum drehte sich. Holz kam auf ihn zu und ein scharfer Schmerz schoss durch seinen Körper.

Er rollte herum, keuchte nach Luft und schaute nach oben in den dunklen Himmel. Fumi kniete bei seinem Kopf. Ihr Gesicht war vor Sorgen verzerrt. Sie griff nach seiner Hand und er drückte sie.

„Ich bin okay“, stöhnte er.

„Du hast ihn getötet!“, flüsterte sie.

Fatima stand über ihm und grinste. „Verdammt, das war toll!“

„Wir haben keine Zeit mehr“, sagte Britney. „Wenn sie nicht den Unfall mit dem Auto gehört haben, dann sind sie spätestens seit dem Gebrüll des Bären alarmiert.“

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Es wurde immer schwerer, die Energie aufzuwenden, um das Licht abzuwehren. Es kamen immer neue Lichtzungen auf sie zu. Ich muss durchhalten! Ich muss Kyle eine Chance geben!

„Er hat den Bären getötet, Zölestine!“, flüsterte Onyx. „Er hat den verdammten Bären mit einem einzigen Hieb seines Schwertes getötet.“

„Und dieser Glanz“, zischte Opal. „Er hat meinen Zauber gebrochen.“

War das Panik in ihren Stimmen? Neue Hoffnung keimte in Aaliyah auf. Sie wehrte die Lichter mit erneuerter Energie ab. Kyle ist hier! Er ist gekommen, um mich zu retten!

Fünf der Hexen hatten sich um die Kristallkugel versammelt, die silbern glänzte. Die Kugel lag zwischen den Schenkeln von Granat mit der kaffeebraunen Haut. Sie nährte sich von der sexuellen Energie, die aus ihrer Muschi strömte. Jade war die Einzige, die nicht bei ihnen war. Sie stand am Kreis und hielt den Spruch aufrecht und versuchte, Aaliyahs Macht aus ihr heraus zu saugen.

Hoffnung keimte in Aaliyah. Kyle war gekommen!

„Turmalin, hast du noch diesen Geist gebunden?“, fragte Ms. Franklin, die Anführerin das honigblonde Mädchen.

„Die Maniae?“ Furcht klang in der Stimme des Mädchens mit. „Ja.“

„Entfessele ihn. Onyx und Opal, ihr schickt die anderen Bären-Avatare los. Ich will, dass Kyle und seine Bitches zertreten werden und ich will diese Talismane haben.“

„Ja, Zölestine!“, sagten die beiden Mädchen verzagt.

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Ein weiterer Bär rannte aus einem Busch auf Britney zu. Die Rakshasa trat geschickt zur Seite. Dunkle Streifen waren auf ihrem Gesicht und sie zischte und stieß mit ihrem Katar zu. Die dreieckige Klinge drang in die Flanke des Bären ein. Blut spritzte und der Koloss stolperte. Fatima brüllte und rammte die gerade Klinge ihres Yari in den Schädel des Tieres.

Immer mehr Brüllen erfüllte die Nacht und mehr Kolosse bewegten sich in dem dunklen Unterholz. Kyles Rücken schmerzte von seinem Aufprall auf der Brücke. Aber er schob den Schmerz weg und bereitete sich auf die neuen Angreifer vor. Grüne Pfeile zischten und trafen die Schatten. Der Wind wirbelte Schmutz in die Luft. Vor ihm erhob sich Pelz und sein Schwert biss zu. Heißes Blut und schmerzhaftes Brüllen erfüllte die Luft.

Kyle wollte sich von diesen Kreaturen, die von den Sprüchen der Hexen gesteuert wurden, nicht töten lassen. Der Bär zog sich mit seinem jetzt nutzlosen rechten Vorderlauf zurück. Er erhob sich auf die Hinterläufe, weil er durch die Magie gezwungen wurde, weiter zu kämpfen. Er hob den linken Vorderlauf. Seine dicken scharfen Krallen blitzten. Kyle hatte keine Zeit, sich davor zu fürchten.

Er ließ seinen Kampfruf los und konzentrierte sich auf den Schwung. Er schnitt glatt durch die dicke Vordertatze. Das Tier brüllte vor Schmerz und fiel auf den Boden. Es versuchte, sich wieder zu erheben. Kyle zog die Klinge zurück, stieß nach unten und erlöste das Tier von seinen Qualen.

Fatima schrie ihren Kampfruf und stieß mit ihrem Yari nach einem weiteren Bären. Ihre Stöße schienen wild und undiszipliniert zu sein, aber Kyle erkannte den Bewegungsablauf. Die Klinge drang in die Brust des Bären ein und in seine Schultern. Sie trieb das Tier zurück. Britney tanzte um den Bären herum und traf ihn mit ihrem Katar.

Kyle musterte die Lichtung vor der Hütte. Ein Koloss rannte an ihm vorbei. Zwei grüne Pfeile steckten in seiner Schulter. Fumi stand ganz still, spannte ihren Bogen und ließ die Sehne wieder los. Der Bär zuckte nicht. Zorn und Angst kamen in Kyle hoch und er brüllte. Kraft lief durch sein Schwert.

„Fumi!“ Er wusste nicht, was er tat, aber irgendwie erreichte er durch sein Schwert die Erde. Er spürte einen Felsbrocken, einen der Brocken der Erde und befahl ihm, sich zu erheben. Der Boden rumpelte und verbeugte sich vor ihm. Schmutz wirbelte hoch und der Felsbrocken flog in den Weg des Bären. Der Bär wollte ausweichen, aber es war zu spät. Das schwere Tier stieß mit dem Felsbrocken zusammen und seine Knochen zerbrachen.

Kyle rannte auf den Bären zu. Er schlug in seine Flanke und streckte das Tier damit nieder. Es wand sich auf dem Boden und Kyle gab ihm den Gnadenhieb.

„Wie hast du das gemacht?“, fragte Fumi. Sie roch so wundervoll. Kyle kämpfte seine Gier nach unten.

„Das Schwert“, antwortete er.

„Genau“, nickte sie.

„Kyle!“, rief seine Schwester. Er schaute Fatima an. Sie deutete auf die Hütte.

Jemand war aus der Hütte gekommen. Ein Teenager, nackt, ihre Haut war orange und ihr schmutzigblondes Haar leuchtete, weil es aus der Hütte von hinten beleuchtet wurde. Kyle kannte sie aus der Schule. Sable Purcell. Er hatte mit ihr gemeinsam im letzten Jahr einen Englischkurs belegt. Sie warf etwas.

Das Objekt war rot und funkelte in der Luft. Es war ein Edelstein. In seinen Facetten brach sich das schwache Licht. Es landete mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden. Rotes zorniges Licht explodierte aus dem Edelstein und eine Welle Hass überlief Kyle. Eine Wolke aus Scharlach schwebte in der Luft, dann zog sie sich zusammen. Lange dünne Gliedmaßen wuchsen um einen schuppigen Körper. Ein Kopf, dreieckig geformt, endete in dicken Kiefern wie bei einer monströsen Ameise. Das Wesen zischte, es wurde immer größer, bis das Monster größer war als die Hütte.

„Was befiehlst du, Herrin?“, spuckte es mit einer zischenden Stimme. Ein Chor von Schreien begleitete das Zischen. Man hörte: „HASS, HASS, HASS!“, immer wieder. Es hämmerte auf Kyles Ohren.

„Töte sie“, befahl Sable. „Und bring mir ihre Talismane.“

Die schuppigen Fäuste ballten sich. Dann wurden sie auf Fumi und Kyle geschwungen. Es ging sehr schnell und Kyle versuchte, seinen Körper zu bewegen. Um ihn herum entstand ein starker Wind, der ihn und Fumi zur Seite trieb. Ein Knall erscholl, als die Faust auf den Boden krachte, wo sie eben noch gestanden hatten. Risse entstanden im Boden.

Der Wind trug ihn über den Boden und setzte ihn etwa sechs Meter entfernt wieder ab. Fumi landete neben ihm. Ihre mandelförmigen Augen waren vor Schock geweitet und sie starrte ihren Bogen erstaunt an.

„Nett“, grinste Kyle sie an.

„Ich habe das einfach gemacht“, flüsterte sie.

„HASS, HASS, HASS!“, kreischte der Chor immer lauter, als sich das Monster Kyle zuwandte. „Ich werde deine Knochen zermalmen, Sterblicher! Dein Fleisch wird wie Gelee unter meiner Faust sein!“

„Renn!“, rief Kyle. Er schubste Fumi und rannte selber in die Gegenrichtung.

„Eine Maniae!“, rief Britney. „Ein Elementargeist des Zorns. Tötet die Hexe! Sie kontrolliert sie!“

„Nein!“, rief eine neue Stimme.

Kyle drehte sich und zuckte zusammen.

Christy stand auf der anderen Seite der Brücke. „Ich werde mich darum kümmern.“

Kyle starrte verblüfft auf seine heimtückische Frau. Der Schmerz aus der Auseinandersetzung, die sie gehabt hatten, kam in ihm wieder hoch. Was machte sie hier? Britney ignorierte Christy und rannte auf Sable zu. Zischend rannte seine Freundin über die Lichtung. Ihr Katar war auf die Hexe gerichtet, die sich bemühte, den Elementargeist unter Kontrolle zu halten.

„Bleib stehen, Britney!“, schrie Christy. „Wenn du sie tötest, wird der Geist außer Kontrolle geraten! Ich muss ihn wieder zum Einschlafen bringen.“

Britney ignorierte sie und ein wildes Grollen drang aus ihrer Kehle.

„Hecate, beschütze deine Dienerin und bring Schmerz über ihren Feind!“, rief Sable und zeigte auf Britney.

Kyles Freundin schrie auf, ihr Katar fiel ihr aus der Hand. Sie fiel auf den Boden und wand sich, als wäre sie eben von einem Taser getroffen worden.

„Ich kümmere mich um die Maniae!“, rief Christy. „Rettet ihr Aaliyah!“

Kyle nickte ihr zu.

„Ishtar, beruhige diesen Geist des Zorns“, sang sie. Um sie herum sah man einen Bogen in den Farben des Regenbogens. „Bring Schlaf zu dieser Maniae!“

„HASS, HASS, HASS!“, kreischte der Elementargeist. Sein Körper wand sich, seine Glieder versuchten sich zu bewegen. Er kämpfte gegen eine unsichtbare Kraft. Sable schaute auf Christy. Ihr Gesicht war gerötet. Auch sie fing einen Gesang an. Sie versuchte, den Elementargeist zu kontrollieren. Die Maniae krallte sich in den Boden, sie riss an ihrem Fleisch und sie kreischte ihre Wut in den Himmel. „HASS! Ich werde dir jede Sehne aus deinem Leib reißen, Hexe! HASS! Ich werde dein Blut trinken! HASS! Ich werde mir ein Halsband aus deinen Knochen machen! HASS!“

Kyle ließ dem tobenden Elementargeist reichlich Platz, als er in Richtung auf die Hütte lief. Fatima schloss sich ihm an. Sie grinste. An der Spitze ihres Yari glühte eine gelbe Flamme. Christys Gesang wurde lauter und selbstbewusster. Der höllische hasserfüllte Chor wurde leiser. Die Bewegungen des Geistes ließen langsam nach.

„Sie schafft es“, sagte Kyle. Er spürte Stolz.

Fatima spuckte. „Sie versucht doch nur, sich wieder bei dir einzuschmeicheln. Lass das nicht zu!“

Kyles Herz war gespalten. Er liebte sie so sehr wie er sie dafür hasste, was sie getan hatte. Aaliyah entführen, ihr Gedächtnis löschen. Das war alles monströs. Und dennoch war sie gekommen, um ihnen zu helfen.

„Sie ist daran schuld, dass wir hier in der Scheiße sitzen, Kyle!“

Er schaute seine wunderschöne Schwester an. Ihre dunklen Augen glühten. „Wenn Aaliyah noch lebt…“

„Und wenn sie tot ist?“

„Ich weiß nicht.“

Sie waren jetzt um den Elementargeist herumgegangen und beinahe an der Tür. Plötzlich krachte es im Inneren der Hütte. Schatten bewegten sich hinter den Fenstern. Die Wand der Hütte explodierte nach außen. Kyle packte seine Schwester und drehte sich, um sie mit seinem Körper abzuschirmen. Ein Stück Holz traf ihn im Rücken. Beide fielen hin und landeten in einem Durcheinander von Gliedmaßen. Ein Bär brüllte und Kyle rappelte sich auf und stellte sich dem Tier.

Es bestand vollständig aus Metall. Sein Pelz, die Krallen, sogar seine Zunge bestanden auf mattem grauem Eisen. „Scheiße!“ Er sprang zur Seite. Die Klauen kratzten über den Boden und wirbelten ganze Wolken Dreck auf.

Ein weiterer nackter Teenager kam hinter dem Ungetüm her und stellte sich zu Sable. Auch sie gab ihre Stimme, um die Maniae zu kontrollieren. Der Chor des Hasses wurde lauter. Aber dafür hatte Kyle im Moment keine Ohren. Er schwang sein Schwert gegen die Bestie und es schepperte wirkungslos gegen das Metall.

„Verdammt!“ Er wich einem weiteren Angriff des Monsters aus.

Fatima sprang hinzu. Die Klinge ihres Yari glühte rot. Funken sprühten, das Biest heulte und drehte sich um. Sie hob den Schaft ihres Yari und fing den Schlag des Bären ab. Aber sie war sehr leicht, kaum 50 kg und sie hatte dem Schwung des normalen Bären schon nichts entgegenzusetzen, wie viel weniger erst dem eines Bären aus Eisen. Sie flog zurück und landete zusammengerollt auf dem Boden.

Der Bär aus Metall rannte auf Fatima zu, als sie sich wieder erhob. Kyle griff mit seinem Schwert wieder in die Erde, um einen weiteren Felsbrocken zu finden. Der Brocken sprang aus dem Boden in den Weg des Bären. Metall krachte auf Stein. Der Bär pflügte einfach hindurch. Bruchstücke des Felsbrockens spritzten um das rennende Ungetüm herum.

Wind flog an Kyle vorbei und hob Fatima in die Luft. Sie wirbelte über den rasenden Koloss hinweg. Er krachte in eine Pinie. Holz krachte und der Baum fiel mit einem dumpfen Aufschlag um. Fatima landete neben Kyle und grinste. Der Bär tobte ein wenig herum, blieb dann stehen, sah sich um und bemerkte die beiden.

Die Bestie brüllte ihre Frustration heraus.

Kyle versuchte, schnell einen Alternativplan zu entwickeln. Ihm Brocken in den Weg zu werfen, bringt nichts. Der Bär sprang jetzt über die Trümmer des Felsens. Da hatte Kyle eine Idee. Vielleicht würde das ja funktionieren?

„Verdammt nochmal!“ Kyle griff mit Hilfe von Erdknochen in den Untergrund. Er wollte ihn spalten.

Das Erdreich stöhnte protestierend. Der Boden bebte. Bäume wackelten. Die Erde öffnete sich vor dem Koloss, eine tiefe Spalte. Der Bär bemerkte das Loch und versuchte zu stoppen. Aber er war einfach zu schnell. Das Monster aus Metall wurde von der Kluft verschluckt. Das Untier heulte auf und versuchte, aus dem Loch zu entkommen.

Kyle versiegelte das Loch über dem Bären.

„ZORN! ZORN!“

Der Elementargeist wehrte sich. Inzwischen war auch noch Karrie Robertson zu den beiden anderen Hexen gestoßen. Ihre ebenholzfarbene Haut war in der Dunkelheit kaum auszumachen. Kyle saß in Chemie neben Karrie und sie hatten auch noch Mathe zusammen. Die drei Hexen schickten ihre Stimmen zu dem Elementargeist und gaben ihm damit neue Energie. Christy war auf verlorenem Posten, allerdings sang sie immer weiter. Schweiß trat ihr auf die Stirn, als sie sich anstrengte, um den Elementargeist zur Ruhe zu bringen. Kyle war angerührt.

„Wir müssen ihr helfen“, sagte Kyle. „Wir müssen die Hexen ausschalten, damit sie den Geist bändigen kann.“

„Ja“, nickte Fatima. Der Bär aus Metall schien ihr ein wenig den Schneid abgekauft zu haben. „Ich nehme das schwarze Mädchen.“

Kyle nickte. „Auf drei?“

„Drei!“, schrie Fatima und rannte los, bevor er so weit war.

„Verdammt!“

Er rannte hinter seiner Schwester her und sprang über einen kleinen Riss in der Erde. Eine der Hexen, Lorrie Gore, drehte sich um und ihr braunes Haar wirbelte über ihre nackten Schultern. Sie deutete auf die beiden und öffnete den Mund. „Oh Hecate, verteidige deine…“

Ein grüner Pfeil verzierte ihre Kehle mit Federn. Lorrie sah sehr jung aus, als sie erstaunt schaute. Dann fiel sie auf die Erde. Karrie sah Fatimas Angriff im letzten Moment, ihre dunklen Augen starr vor Schreck. Fatima schien nicht zu zögern und rammte ihren Yari in die Eingeweide des Teenagers.

Sable war zu konzentriert darauf, den Elementargeist zu kontrollieren, als dass sie mitbekommen hätte, was passierte. Kyle schluckte. Er konnte sie nicht töten. Sie war praktisch hilflos. Also schlug er ihr mit dem Griff seines Katanas ins Gesicht. Ihre Nase brach, sie stolperte nach hinten und fiel dann als bewusstloses Bündel auf den Boden.

„Zorn!“

„Schlafe“, schrie Christy.

„zorn…“

„Dein Zorn ist verbraucht. Schlafe Maniae.“

„zo…“

Der Elementargeist wurde still. Dann flackerte rotes Licht auf seiner Haut. Es wurde immer heller, bis schließlich die gesamte Lichtung von dem harten roten Schein erhellt war. Ein letzter zischender Schrei, dann zog er sich zusammen. Ein einzelner roter Edelstein lag auf dem Boden.

Christy atmete aus. Dann stolperte sie. Ihre Schultern hingen. Sie sah erstaunt aus. Kyle meinte sie flüstern zu hören. „Ich habe es tatsächlich geschafft!“

Britney kam stöhnend neben Kyle auf die Beine. Sie sah die bewusstlose Sable und zischte sie an wie die zornige See. Sie nahm sich ihr Katar und ging auf die Hexe zu. Ihre grünen Augen glühten in der Nacht.

„Nein“, sagte Kyle.

Sie erstarrte und nickte ihm dann zu.

Fatimas Augen hingen an Karries Körper. „Das war so leicht“, murmelte sie. „Ich habe gar nicht darüber nachgedacht.“

„Komm, Fatima“, sagte Kyle und berührte ihren Arm. „Aaliyah braucht uns.“

Sie schüttelte sich und schaute dann auf die Hütte. „Bansai!“, rief sie und dann stürmte sie durch die offene Tür wie ein Samurai, ohne Rücksicht auf die Gefahren.

Kyle folgte ihr, dicht gefolgt von Britney. Er nahm die Stufen der Veranda mit einem einzigen Schritt. Durch die Tür konnte er Aaliyah im Lichterkreis sehen. Ein Teenager mit langem schwarzem Haar stand am Kreis mit geschlossenen Augen und sang.

Seine Biologielehrerin, Ms. Franklin kam auf ihn zu. Sie war nackt und wunderschön. Ihr großartiges feuerrotes Haar fiel ihr in Vorhängen über ihre runden Brüste. Ihre grünen Augen blitzten, ihre üppigen Lippen bewegten sich und sie zeigte auf seine Schwester. „Hecate, schicke dieses Mädchen in ewige Albträume!“

Fatima fiel um wie eine Marionette, deren Fäden zerschnitten worden sind. Sie landete hart auf dem Holzboden und kam vor den Füßen der Lehrerin zur Ruhe. Ihr Yari fiel neben ihr auf den Boden.

Kyle war eiskalt. All seine Emotionen waren weggewischt. Er war aus Stein. Hartem gefühllosem unbeweglichem Stein. Er hob sein Schwert. Ms. Franklin hatte seine Schwester umgebracht, eine seiner Frauen und sie würde sterben. Er nahm Rashawn Underhill, die neben der Lehrerin stand und sang, kaum wahr. Britney sprang neben ihm auf die Hexe zu. Ihr Katar blitzte auf wie Sonnenlicht auf einem gekräuselten See. Er fuhr der Hexe mit der kaffeefarbenen Haut direkt ins Herz.

Kyle hatte nur Augen für seine frühere Lehrerin.

„Hecate, beschütze deine Dienerin!“

Sein Schwert blitzte.

„Streck meinen Feind…“

Ihre Worte verstummten. Ihr Kopf trennte sich von ihrem Körper. Sie blieb noch einen Moment stehen, bevor sie als unordentlicher Haufen auf den Boden fiel. Genauso tot wie seine Schwester.

„Kyle“, stöhnte Aaliyah und sah zu ihm auf. Das silberne Licht in dem Kreis griff sie an und fasste mit kleinen Zungen nach ihr.

Das singende Mädchenmit dem dunklen Haar blinzelte. Ihr blieben die Worte im Hals stecken. Britney stand neben ihr und grollte. Das Blut des Mädchens hatte ihr Katar befleckt. Das silberne Licht um Aaliyah herum verschwand.

„Du bist gekommen!“, flüsterte der Lampengeist.

„Bitte!“, bettelte die Hexe Phillipa Stoddard. Ein Anhänger aus Jade hing zwischen ihren nackten Brüsten. „Bitte, tötet mich nicht!“

„Kyle“, schnurrte Britney. Ihre Stimme klang belegt und rauchig. „Lass mich die hier haben. Ich werde sie verhören und sie aus der Sache heraushalten. Wir müssen so viel wie möglich über den Hexenzirkel lernen.“

Kyle schaute seine beste Freundin an. Sie klang tatsächlich… geil. Er hatte sie immer für asexuell gehalten. Er hatte nie gesehen, dass sie Interesse an Männern oder Frauen hatte. Nun, die nackte Hexe war sehr attraktiv mit netten runden Brüsten und einer dunklen olivfarbenen Haut. Er erinnerte sich dunkel daran, dass Phillipa zur Hälfte Koreanerin war.

„Ja, sie gehört dir.“

Aaliyah versuchte aufzustehen. Er war sofort an ihrer Seite und umarmte sie fest. Fatima war tot, aber Aaliyah lebte. Es schien nicht fair, die eine zu verlieren, um die andere zu retten. Er wollte weinen, aber er fühlte sich innerlich immer noch tot, seine Seele war versteinert.

„Was ist mit Fatima passiert?“, fragte Fumi.

Er sah zu seiner japanischen Geliebten. Sie kniete neben dem Körper von Fatima und hatte einen Umschlag in der Hand. Seine Schwester sah so friedlich aus, als ob sie nur schlief. Fumi schüttelte sie leicht.

„Ms. Franklin hat sie umgebracht“, sagte Kyle mit toter leerer Stimme.

„Nein“, wandte Fumi ein. „Sie ist nur bewusstlos.“

Das Leben explodierte in ihm. Hoffnung breitete sich in seiner Seele aus. „Was?

„Zölestine hat einen Spruch zu Albträumen auf sie gelegt“, flüsterte die gefangene Hexe.

„Wer?“, fragte Kyle.

„Ms. Franklin“, antwortete der Teenager. „Wir haben Namen, die den Farben unserer Aura entsprechen. Ich bin Jade, sie ist Zölestine und das ist…“ Sie schluckte und schaute auf die Leiche von Rashwan Underhill. Sie war die schnellste Läuferin in der Klasse gewesen. „Das war Granat.“

„Wie bricht man so einen Spruch?“, wollte Kyle von der Hexe wissen.

„Das könnte nur Zölestine.“

„Wie lange wird sie schlafen?“

„Ewig.“

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Christy hatte Tränen in den Augen, als sie ihr Auto anließ. Ich werde ihn wahrscheinlich nie wieder sehen.

„Habe Vertrauen“, flüsterte Iris.

Ihrer Führerin und Begleiterin erschien in einem Ausbruch von regenbogenfarbenem Licht. Ishtar hatte ihre Tochter geschickt, um Christy auf ihrer Sühnereise anzuleiten. Das war der einzige Weg, um Hecates Griff um sie aufzubrechen und wieder frei zu sein. Dabei zu helfen, Aaliyah zu befreien, war nur der erste Schritt.

„Er will mich sicher nicht wieder zurückhaben.“

Der Geist griff nach ihr und berührte ihre Hand. „Die Liebe ist mächtig. Sie kann großes Leid und großes Glück bescheren.“

„Das ist wahr“, murmelte Christy. Sie schaute auf die Trümmer vor der Hütte.

Sie drehte ihr Auto und fuhr über die Brücke. Fumi hatte ihren Brief. Er würde ihre Gefühle für Kyle erklären.

„Wohin jetzt, Iris?“

„Mount Shasta.”

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Zölestines Kristall starb. Der Rabenavatar krächzte.

Er war irritiert. Sie war eine seiner vielversprechendsten Hexen gewesen. Sie hatte diesen tollen Hexenzirkel aufgebaut. Niemand von seinen anderen Anhängern hatte jemals derartig viel Engagement gezeigt. Schade, dass sie so dumm und übereilt gewesen war. Er würde genau untersuchen müssen, wie Kyle Unmei sie geschlagen hatte. Dieser Jugendliche war wesentlich beeindruckender als er gedacht hatte.

Zwei weitere Kristalle glühten noch auf seinem Schreibtisch – Schatten und der Vikar – die beiden anderen Mitglieder seines Zirkels. Er würde bezüglich dieses Jugendlichen viel vorsichtiger vorgehen müssen. Ms. Franklin war viel zu direkt gewesen und sie hatte jetzt den Preis dafür bezahlt. Aber er war geduldig. Am Ende würden die Kräfte des Lampengeistes ihm gehören und auch die machtvollen Talismane, die Kyle und seine Leute besitzen mussten.

Dann würde er die Macht haben, seine Göttin herauszufordern und sie zu stürzen.

Sein Telefon klingelte.

„Hallo“, sagte er. Er klang sanft und angenehm, als er wieder in seine Rolle schlüpfte.

„Hi, Direktor Burke“, sagte die Frau. Er lächelte. Zölestine war tot, aber es gab ja auch noch andere Spielfiguren, die man benutzen konnte. „Ich habe an diesem Freitag frei.“

„Toll“, sagte er. „Und nennen Sie mich bitte Stanley, Mrs. Unmei. Wenn ich Sie zum Abendessen ausführe, dann sollten Sie mich beim Vornamen nennen.“

Ihr Lachen war wohltönend. „Ich denke auch. Es scheint mir nur ein wenig…“

„Ungewöhnlich?“

„Genau.“ Sie machte eine Pause. Dann fügte sie hinzu: „Ich bin glaube ich ein wenig nervös. Ich bin schon seit Jahren nicht mehr ausgeführt worden. Nicht, seit mein Mann…“

„Das verstehe ich gut. Wenn Sie lieber nicht möchten…“

„Nein, nein!“ Sie klang fest entschlossen. Gut. Sie war schon seit Jahren Witwe und gönnte sich nichts Gutes wegen ihrer Kinder. Sie war reif, um von ihm gepflückt und zu einem Messer gemacht zu werden, dass er an die Kehle ihres Sohnes halten konnte. „Das Leben muss weitergehen. Ich habe meinen Mann geliebt, aber er würde wollen, dass ich glücklich bin.“

„Und wie werden ihre Kinder das aufnehmen?“

Sie seufzte. „Ich weiß es nicht. Kyle ist in letzter Zeit so merkwürdig. Ich werde ihn umbringen, wenn er nach Hause kommt. Ich habe ihm Hausarrest verordnet und ihm sein Auto weggenommen. Aber er und das Auto sind weg und seine Konkubinen wollen mir nicht erzählen, wo er ist. Und ich habe keine Ahnung, was er mit unserer Eingangstür gemacht hat. Alexina behauptet, sie hätten herumgetobt und dabei versehentlich die Tür eingetreten.“

„Tut mir leid, das zu hören. Vielleicht braucht ihr Sohn einfach nur eine starke Vaterfigur in seinem Leben.“

„Vielleicht“, sagte sie und klang ein wenig sehnsüchtig. „Wann soll ich denn fertig sein?“

„Ich werde Sie gegen sieben abholen.“

„Das klingt gut, Dir… ich meine Stanley.“

To be continued…

Click here for Kapitel 11.

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