Der Pakt mit dem Teufel Kapitel 46: Der Fall von Seattle

 

Der Pakt mit dem Teufel

Kapitel 46: Der Fall von Seattle

Von mypenname3000

Übersetzt von Horem

English version edited by Master Ken

© Copyright 2013, 2014


Story Codes: Female/Female, Mind Control, Magic, Body Modification, Violence

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Wermut, wie die Krankheit genannt wurde, verwüstete die Welt. Niemand kennt die genaue Zahl von Männern, die an der Seuche der Dämonin gestorben ist, aber man schätzt, dass es über eine Milliarde war. Etwa ein Drittel aller Männer erlagen ihr, bevor die Seuche fünf Monate später verschwand.

—Auszug aus „Die Geschichte der Theokratie der Tyrannen“ von Tina Allard

Montag, 18. November 2013 – Lilith – Sangi, Demokratische Republik Kongo
Ich schaute stolz auf meine versammelten Töchter, die meisten waren eben reif geworden. Sie standen auf dem schlammigen Platz des einfachen Dorfes. Es schmerzte, dass ich mich an einen derartig hässlichen Ort zurückziehen musste. Nun, das würde sich bald ändern.

Alitha, Mazikeen, Tzaau, Manticore, Edimmu, Nirah, Zu, Aesma und ein Dutzend mehr starrten mich ehrfurchtsvoll an. Tausend Monster aus den dunkelsten Albträumen der Menschheit. Die Menschen erinnerten sich in Legenden und Erzählungen an sie. Die Angst, die sie verbreiteten, schnitt direkt in die Seele der Menschheit ein. Meine Kinder waren derartig gefürchtet, so machtvoll gewesen, dass der Schöpfer die Erde überschwemmt und noch einmal von vorne begonnen hatte. Diesmal würde Er es nicht tun. Er hatte an den Hängen des Ararat geschworen, dass er die Welt niemals wieder mit einer Sintflut vernichten würde.

Und Er hält seine Versprechungen.

„Öffnet die Portale!“ befahl ich. Lana, Chantelle und Thamina sprangen auf und schnitten Löcher in die Luft zu den Schatten.

Es war an der Zeit, meine Stadt wieder zu nehmen. Von Seattle aus würde ich eine noch größere Armee aufstellen und diese Welt von all den widerwärtigen Männern befreien. Ich würde den Fehler des Schöpfers, diese brutalen Schweine überhaupt erzeugt zu haben, korrigieren und ein utopisches Paradies erzeugen.

Ich würde Eden wiedererstehen lassen, nach meinem Bild.

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Mark – Matmown, Tacoma, WA
Ich war erschöpft.

Mary und ich hatten den ganzen Tag damit verbracht, diejenigen zu heilen, die unter Liliths Seuche litten. Hunderte waren schon gestorben und Tausende waren erkrankt. Die Seuche brannte auf der ganzen Erde. Sie war ansteckender als die gemeine Grippe. Seattle war am schwersten getroffen worden. Es schien so zu sein, dass alle Männer der Stadt krank geworden waren, Doktoren eingeschlossen.

Die Krankenhäuser hatten ihre Ressourcen vollständig ausgeschöpft. Es arbeiteten hauptsächlich die Schwestern und viele von denen blieben zu Hause, um sich um ihre Männer, Söhne und Väter zu kümmern. Bisher war niemand aus der Legion erkrankt oder irgendwer sonst, der mit dem Zimmah-Spruch an mich gebunden war. Aber 10.000 Soldaten waren nicht genug, um die Ordnung in den USA, geschweige denn der ganzen Welt aufrecht zu erhalten.

„Unsere Labore haben den Erreger isoliert“, sagte Dr. Franny Albertson. Sie war Epidemiologin im Center for Desease Control. Sie hatte Erfahrungen im Umgang mit Pandemien. „Es ist eine modifizierte Version von Treponema Pallidum, auch bekannt als Syphilis.“

„Eine Geschlechtskrankheit?“ fragte ich.

„Nun, jetzt nicht mehr. Aber da kommt der Erreger her.“

Das erklärte, warum ich immun war und all die anderen, die mit dem Zimmah-Spruch gebunden waren. Vor Monaten hatten Mary und ich das Bathuwlah-Ritual durchgeführt und uns und alle, die an uns gebunden waren, gegen Geschlechtskrankheiten immun gemacht.

„Jemand hat diesen Erreger so konstruiert, dass er nur Männer befällt“, fuhr Dr. Albertson fort. „Wir wissen noch nicht wie. Und sie haben seine Widerstandsfähigkeit verstärkt, indem sie ihm ein Protein gegeben haben, dass ihn vor UV-Licht schützt. Deswegen kann er auch durch die Atemluft übertragen werden.“

„Was können wir tun, um die Ausbreitung zu stoppen?“ fragte Mary.

„Syphilis hat sich als resistent gegen Antibiotika erwiesen“, antwortete sie. „Das genaue Protein in seiner äußeren Hülle ist nie untersucht worden und diese Weiterentwicklung ist noch robuster. Am besten isoliert man die Männer, die noch nicht infiziert worden sind. Die einzige gute Nachricht ist, dass etwa die Hälfte der Männer, die sich angesteckt haben, anfangen, sich zu erholen.

„Was ist mit Abkapselung?“ fragte ich.

„Dazu ist es wahrscheinlich schon zu spät“, sagte die Ärztin. „Auf der ganzen Welt kommen Fälle vor. Seattle ist eine Drehscheibe für den internationalen Flugverkehr und die Inkubationszeit der Bakterien scheint bei 3 bis 5 Tagen zu liegen. Dann erscheinen die ersten Symptome. So war es möglich, dass die Krankheit sich derartig ausbreiten konnte.“

„Und was ist mit dem Militär?“

„Die Truppen werden hart getroffen“, antwortete General Brooks. Er befehligte die Legion. „Die Legion selber scheint nicht betroffen zu sein. Wir bilden neue Einheiten aus weiblichen Soldaten. Aber das betrifft nur 15% des Militärs.“

Es wurde an die Metalltür des Matmown geklopft. Ein Unteroffizier kam herein und flüsterte General Brooks etwas zu. „Mein Lord, in Seattle passiert etwas.“

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Jessica St. Pierre – Rathaus, Seattle, WA
Ich war erschöpft.

Ich habe glaube ich nicht mehr geschlafen, seit die Seuche ausgebrochen ist. Außer den paar Minuten, in denen ich an meinem Schreibtisch gedöst habe. Die Situation war furchtbar. Die Krankenhäuser waren überfüllt mit kranken und sterbenden Männern und es gab nur eine Handvoll völlig überarbeitete Schwestern und Ärzte – die wenigen, die überhaupt noch zur Arbeit erschienen – die sich um sie kümmerten. Es schien so zu sein, dass die meisten männlichen Ärzte und Pfleger erkrankt waren, bevor Quarantäne-Vorschriften installiert werden konnten. So entstanden immer mehr Patienten für die belagerten Schwestern und Doktoren.

Das ist, was Lilith will – eine Welt ohne Männer.

Ich starrte auf das Papier, das vor mir lag. Es war die Anordnung, die Leichen einzuäschern. Wir hatten nicht genug Zeit, sie alle zu beerdigen und es bildeten sich jetzt schon große Verzögerungen. Das Bataillon, das Mark mir gegeben hatte, war bis zum Zerreißen gespannt. Sie waren die einzigen Männer in der Stadt, die gegen die Seuche immun waren und sie mussten überall gleichzeitig sein und versuchen auszuhelfen. Ich hatte nur noch einen Trupp, der mich im Rathaus bewachte. Mehr konnte ich nicht erübrigen.

Mein Kopf fiel mir auf die Brust und ich schreckte hoch. Ich war eingeschlafen. Ich war so unendlich müde. Ich rieb mir die Augen. Was machte ich gerade? Ich schaute erneut auf das Papier. Ach ja. Ich griff nach einem Stift und kritzelte meine Unterschrift sauber an das untere Ende. Ich legte das Blatt zu Seite und griff nach dem nächsten Schriftstück. Eine Liste der Opfer. Es war herzzerreißend. Die meisten, die starben, waren junge oder auch ältere Männer.

Ich nahm das nächste Papier. Vorschläge für Verteilungspunkte für Lebensmittel. Alle Läden in der Stadt waren geschlossen, niemand wollte sich mehr in der Öffentlichkeit aufhalten. Aber die Menschen mussten essen und die Rationen wurden durch das Militär bereitgestellt. Wir mussten Stellen aussuchen, wo die Rationen verteilt werden konnten. Ich blinzelte. Das Papier verschwamm vor meinen Augen.

Ich zuckte zusammen. Draußen wurde ein Feuerwerk abgebrannt.

Ich runzelte die Stirn und stand auf. Warum sollte jemand in diesen Zeiten ein Feuerwerk zünden? Ich ging zum Fenster und schaute auf die St. James Street. Ich sah, dass Soldaten ihre Waffen abfeuerten. Mein erschöpftes Hirn versuchte zu denken. Warum machten die das?

Ein schwarzer Stein traf einen der Soldaten und sank in seine Brust ein. Das machte mich wach. Adrenalin strömte in mir. Mein Herz klopfte. Auf der Straße riss eine Frau mit brauner Haut ein weiteres Stück Asphalt aus der Straße und warf es auf die Soldaten. Nein, das war eines von Liliths Monstern, erkannte ich. Mir lief es kalt den Rücken hinunter. Weitere Monster kamen in der Deckung der geworfenen Asphaltbrocken hinzu. Sie waren alle unterschiedlich: eine Frau mit grauer Haut und weißem Haar, eine hagere Frau mit schrumpeligen Säcken als Brüsten, eine schuppige grüne Frau, die auf allen Vieren lief.

Die übrigen Soldaten feuerten weiter. Ihre Kugeln drangen in die grüne Frau ein und sie fiel wie ein blutiger Haufen auf die Straße. Aus den Einschusslöchern quoll Rauch empor. Das Monster mit der grauen Haut blieb stehen und stieß die Hand nach vorne. Ein starker Windzug raste durch die Straße. Er traf die Soldaten und blies sie einfach um. Die skeletthafte Frau erreichte einen der wehrlosen Soldaten. Ihre Finger waren so scharf wie Klauen. Sie trieb sie durch einen Körperschutz in seine Brust und riss ihm mit einer einzigen Bewegung sein Herz heraus.

Ich konnte nicht hören, was der letzte Soldat rief, als er versuchte, mit seiner Waffe zu zielen. Er feuerte eine Granate aus einem kleinen Werfer ab, den er an seinem Gewehr befestigt hatte. Das Fenster vor mir zerplatzte, als ein gewaltiger Knall das Gebäude erschütterte. Ich warf die Arme hoch und ein paar Splitter schnitten in meinen Unterarm. Die skelettartige Frau war weg, einige Teile von ihr lagen auf der Straße.

Die Tür zu meinem Büro flog aus und ich drehte mich furchtsam um. Es waren die Gefreiten Brasher und Santillian. „Wir müssen weg, Ma’am“, rief Brasher. Sein Funkgerät plärrte. „Diese verdammten Monster erscheinen überall in der Stadt!“

Santillian nahm mich bei der Schulter, während Brasher zum Aufzug vorlief. Wieder erschütterte ein lautes Geräusch das Gebäude. Dann war ein lautes sich wiederholendes Röhren zu hören, so als ob eine schwere Waffe feuerte. Die Fahrt mit dem Aufzug die zwei Etagen nach unten schien eine Ewigkeit zu dauern. Ich zitterte vor Furcht. Mein Herz schien eine Million Mal pro Sekunde zu schlagen. Ich hatte Angst, dass ich explodieren könnte.

Die Aufzugstüren öffneten sich zur Lobby. Draußen war ein Stryker abgestellt. Das sich wiederholende röhrende Geräusch kam von dem Maschinengewehr, das auf dem Turm des Fahrzeugs montiert war. Es feuerte in die Fourth Avenue hinein. Der Turm war nicht bemannt. Er wurde von innen fernbedient. An der Seite des Fahrzeugs hockten zwei Soldaten, die ihre Waffen in dieselbe Richtung abfeuerten.

Die Luft hinter den Soldaten kräuselte sich, so wie eine Spiegelung über heißem Asphalt. Und dann kam eine Frau aus der Kräuselung heraus. Sie war blass. Ihr Haar schien weiß zu leuchten. Sie richtete einen Finger auf einen der Soldaten und ein hellroter Strahl traf ihn. Er fiel nach vorne und ein rauchendes Loch klaffte in seinem Rücken.

„¡Madre de dios!“ fluchte Santillian, als er und der Gefreite Brasher das Feuer auf die Frau eröffneten. Die Glastüren des Rathauses explodierten in kleine Splitter. Die Frau drehte sich um und zeigte mit ihren Finger auf uns. Eine der Kugeln traf sie in der Brust. Der rote Strahl weitete sich auf und schnitt durch die Vorderseite des Gebäudes und hinterließ eine rauchende Linie der Zerstörung.

„Los! In den Stryker!“ brüllte Brasher und rannte zur Tür.

Eine bullenartige Frau mit Flügeln fiel aus dem Himmel auf den Stryker. Das Fahrzeug schaukelte auf allen vier Achsen und stöhnte protestierend. Wie konnte so etwas Schweres fliegen? Sie packte den Turm und riss das Maschinengewehr herunter und warf es auf die Straße. Dann griff sie nach der Luke und fing an, das Metall aufzureißen. Brasher feuerte seine Waffe auf das Monster mit den Flügeln. Sie zuckte nicht einmal, als die Kugeln ihren Körper trafen und kleine rote Löcher hinterließen.

Die restlichen Soldaten außerhalb des Strykers rannten zum Rathaus, als eine ganze Horde von monströsen Frauen die Straße entlang gerannt kam, nachdem sie nicht mehr vom Maschinengewehr zurückgehalten wurden. Der einzelne Soldat kam nicht weit, bevor eine Löwenfrau einen Stachel auf ihn abfeuerte. Er zuckte und wand sich auf der Straße.

„Renn, chica!“ rief Santillian. Er kniete sich hinter eine Säule, zog eine Granate heraus und warf sie nach draußen. „Wir werden versuchen, sie aufzuhalten.“

Die Granate detonierte und tötete mehrere Monster, aber es kamen immer mehr. Ich drehte mich um und floh weiter in das Gebäude hinein. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass es einen Notausgang zur Cherry Street gab. Hinter mir verstummte das Gewehrfeuer von Brasher und Santilian. Ich rannte Flure entlang. Meine Furcht trieb mich an, schneller zu laufen als jemals zuvor.

Da war der Notausgang! Dort war die Sicherheit!

Ich sprintete den Gang hinunter und brach die rote Tür auf. Den Alarm, den ich damit auslöste, ignorierte ich. Die Cherry Street sah aus wie ein Schlachtfeld. Drei Autos brannten und auf der Straße waren mehrere tiefe Löcher. Die Soldaten, die die Straße bewacht hatten, lagen zerrissen auf dem Boden. Hier waren keine Monster. Sie schienen alle auf der anderen Seite zu sein. Ich rannte also die Cherry Street hinunter, weg von dem Massaker.

Ich würde entkommen!

Eine Frau mit roten Flügeln und einer Hakennase landete vor mir. Ich versuchte anzuhalten, aber meine Geschwindigkeit war zu groß. Ich stieß mit dem Monster zusammen. Ihre klauenartigen Hände packten mich schmerzhaft. Sie sah mich von oben bis unten an. Dabei bewegte sich ihr Kopf ruckartig wie bei einem Vogel.

„Schau, schau, Mama wird sich freuen, dich zu sehen, Jessica.“

Das Vogelmonster zerrte mich zurück zum Rathaus. Der Flur war mit weiteren Monstern angefüllt. Sie brachen Türen auf und zerrten die wenigen Frauen aus den Zimmern, die versuchten, die Stadt zu regieren. Als wir vorbeigingen, grollten die Monster und starrten uns an. Ich zitterte vor Angst und fasste mein Halsband an. Was würde mit mir passieren?

„Ich nehme sie“, sagte die Stimme eines Mannes.

Ich blinzelte. Nate Kirkpatrick stand neben meiner früheren Schlampenschwester Thamina. Das fühlte sich an wie ein Schlag in den Magen. Ich hatte mich auf Nate verlassen. Er war meine rechte Hand gewesen. Warum half Nate ihnen? Er war doch ein Mann. Ich dachte, Lilith hasste Männer?

„Ich habe sie gefangen. Ich werde sie zu Mutter bringen“, protestierte die Vogelfrau und drückte schmerzhaft meinen Arm.

„Liliths Befehle, Pazu“, schnappte Thamina.

„Ja, Priesterin“, schmollte Pazu und schob mich zu Nate.

„Was passiert hier, Nate?“ fragte ich, als Nate und Thamina mich zu den Stufen führten, die zum Keller führten.

„Ich bin nicht Nate“, antwortete er. „Ich bin Ziki. Du wirst meiner Mutter dabei helfen zurückzukehren.“

Ihrer Mutter? Er ist Liliths Kind? Könne sie auch männliche Kinder haben? Dann fragte ich: „Haben wir Lilith gefangen?“

„Nein, Fiona!“ zischte Thamina. „Mark und Mary lieben dich. Sie werden dich nur zu gerne für sie austauschen.“

„Aber erst brauchen wir noch ein paar Informationen“, lächelte Nate-Ziki und ich zitterte. „Dann tauschen wir dich aus.“

Ich schluckte meine Angst herunter. Sie konnten mir nicht allzu wehtun. Sie brauchten mich schließlich, wenn sie mich für Fiona austauschen wollten. Ich schaute Thamina fragend an. „Warum hilfst du Lilith?“

„Für Fiona“, flüsterte sie. Dann schaute sie mich an. „Egal. Ich habe mich entschieden. Du hast deine Seite gewählt, ich meine. Wir müssen beide mit unseren Entscheidungen leben.“

Sie öffneten eine Tür und ich wurde in einen Lagerraum gestoßen, der mit Klapptischen und Kisten vollgestellt war. Es roch ein wenig muffig. Nate-Ziki warf mich roh auf den Boden und Thamina zog einen dicken Filzstift aus der Tasche und fing an, seltsame Symbole auf die Wände zu malen, während sie gleichzeitig vor sich hin murmelte. Es waren Symbole, die ich auch von unserem Matmown kannte.

„Was machst du da?“ fragte ich und fiel in meine Reporter-Routine. Fragen stellen, Antworten erhalten. „Was malst du da?“

„Ich schütze den Raum vor ungewollten Spähern“, antwortete Thamina. „Es hilft zwar nicht gegen eine wirklich machtvolle Einheit, aber es wird Marks Geister fernhalten.

„Ist das die gleiche Art, in der Lilith ihren ersten Unterschlupf geschützt hat?“ fragte ich sie.

„Wir hatten gedacht, dass es ausreichen würde, aber er scheint ihn trotzdem immer wieder zu finden“, beklagte sie sich. „Wie macht er das?“

„Das darf ich dir nicht sagen“, sagte ich.

„Natürlich nicht.“ Sie arbeitete jetzt an der dritten Wand und malte geschickt die Symbole. Der Geruch des Filzstiftes brannte in meiner Nase.

„Was bist du also?“ fragte ich Nate-Ziki. „Du sagst, dass du nicht Nate Kirkpatrick bist.“

„Er ist tot“, antwortete er. „Ich habe ihn getötet.“

„Und du hast seine Gestalt angenommen?“

Er nickte. „Es war sehr hilfreich, um unsere Leute in die Stadtverwaltung zu bekommen.“ Er lachte kurz. Sein dicker Bauch wackelte unter seinem Sweater. „Alles umsonst wegen Mark!“ Er spuckte den Namen des Meisters praktisch aus. So als ob er einen schlechten Geschmack in seinem Mund hinterlassen würde.

„Dann nehme ich an, dass all die Frauen, die du zur Verhaftung empfohlen hast, unschuldig waren?“

Er grinste mich an. Ich unterdrückte einen Wutanfall wegen dieses Verrats. Wie hatte ich nur so blöd sein können. Ich war derartig fixiert auf Liliths Hass auf Männer gewesen, dass ich angenommen hatte, dass ich praktisch jedem Mann vertrauen konnte. Dann fiel mir etwas ein. „Du wusstest, wo alle Soldaten in Seattle stationiert waren.“

„Das ist der Grund meiner Geburt gewesen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich sollte die Feinde meiner Mutter ausspähen.“

„Zieh dich aus“, befahl Thamina plötzlich, nachdem sie alle ihre Symbole gezeichnet hatte.

„Warum?“ fragte ich.

„Wir wollen sicher sein, dass du nicht irgend eines von diesen magischen Teilen hast, die Sam angefertigt hat“, antwortete sie. „So wie zum Beispiel dieses Amulett, das du am Hals trägst.“

„Okay“, seufzte ich. Ich zog das Bronzeamulett aus und gab es Thamina. Dann zog ich meine transparente Bluse aus und meinen kurzen Rock. Anschließend schälte ich meine Strümpfe an meinen Beinen nach unten.

„Das Halsband auch!“

Meine Hände fuhren beschützend zu meinem Hals. „Nein!“

„Wir nehmen es dir weg, Jessica.“ Thamina seufzte. „Du bekommst es wieder, wenn wir dich gegen Fiona eintauschen.“ Ihr Gesichtsausdruck wurde weicher. „Es könnte schließlich auch verzaubert sein, oder? Ich werde darauf aufpassen. Wir waren einmal Schwestern. Du kannst mir vertrauen, Jessica.“

Ich starrte in Thaminas Gesicht und erinnerte mich an die Leidenschaft, die ich einmal mit dieser Frau geteilt hatte. „Sie lieben dich immer noch“, sagte ich. Ich griff hinter meinen Hals, um das Halsband zu öffnen. „Fiona auch. Bitte um Vergebung und komm zu ihnen zurück. Denk an all den Spaß, den wir hatten. Du wirst vermisst.“
Thamina schüttelte sich „Ich werde niemals mehr ihre Hure!“

„Okay, aber warum bist du dann auf Liliths Seite? Sie ist böse.“

„Lilith hat mir nie meinen freien Willen genommen.“

„Nein, sie hat nur eine Seuche in die Welt gesetzt, die Tausende von Menschen tötet.“

„Männer“, sagte Thamina.

„Auch Kinder? Die Kleinen?“

Sie zuckte zusammen. Dann drehte sie sich um und floh mit meiner Kleidung aus dem Raum. Ich schaute zu Nate-Ziki und sah, dass er sich auch ausgezogen hatte. Er war ein großer dicklicher Mann, sein Bauch hing über seinen Schoß und sein Schwanz war nur so eben sichtbar.

„Willst du mich jetzt vergewaltigen?“ fragte ich.

Nate-Ziki legte seinen Kopf leicht zur Seite und untersuchte mich. In seinen Augen stand keine Lust. Es war irgendwie – klinisch. Er studierte mich, so wie ein Wissenschaftler fremdartige Bakterien unter einem Mikroskop untersucht. Zum ersten Mal, seit ich ihre Schlampe geworden war, war ich meiner Nacktheit voll bewusst und ich hatte das Gefühl, dass ich mich mit meinen Händen bedecken musste.

„Was willst du von mir?“ fragte ich. Meine Stimme zitterte vor Furcht.

„Was willst du von mir?“ Die Worte kamen aus seinem Mund, aber es war meine Stimme. Dieselbe Stimmlage. Der gleiche Rhythmus. Die gleiche Angst zitterte in seiner Stimme.

„Oh, Götter!“ keuchte ich.

„Oh, Götter!“ Sein Kopf lag schief und er untersuchte mich immer noch.

„Was bist du?“

„Was bist du?“ ahmte er mich perfekt nach. „Du hast eine sehr kontrollierte Stimme“, sagte er plötzlich. Er klang immer noch so wie ich. „Aber das ist nicht dein wahrer Akzent. Ich verstehe die Intonation unter der gelernten Diktion. Du bist aus der Gegend, die man den Süden nennt, nicht wahr?“

Wie konnte das sein? Ich hatte in der Schule hart daran gearbeitet, um meinen Akzent abzulegen. Eine Journalistin sollte rein sprechen.

„Louisiana?“

„Leck mich!“ schnappte ich.

Er lächelte. Und dann fing er an sich zu verändern. Seine Haut kräuselte sich wie Wasser. Er zog sich zusammen. Sein dicker Bauch verschwand in seinem Körper. Die Beine wurden schmaler. Der Bauch war jetzt ganz flach. Die Schultern wurden schmaler und angenehme Kurven erschienen auf seinen Hüften. Seine schlaffen Männertitten strafften sich und verwandelten sich in ein paar schön geformter Brüste. Der Schwanz zwischen seinen Beinen schrumpfte und verschwand in seinem Körper. Das gleiche passierte mit seinem schütteren Schamhaar. Und nicht nur sein Schamhaar verschwand, seine ganze Körperbehaarung war weg. Das Alter verschwand aus seinem Gesicht, die Gesichtslinien wurden weicher, die Nase schrumpfte, sein Haupthaar wurde honigbraun und länger. Einige karamellfarbene Flecken erschienen auf seiner Haut. Sie wurden immer größer, bis schließlich sein ganzer Körper davon bedeckt war.

Nate Kirkpatrick verwandelte sich in mich.

Ich schluckte und mein Doppelgänger schluckte. Er bewegte sich wie ich. Ich bewegte meinen Arm und er bewegte seinen Arm. Es war, als ob ich in einen Spiegel schaute. Ich hob meinen rechten Arm und Ziki erhob ihren rechten Arm. Nein, es war nicht wie im Spiegel, es war nicht spiegelverkehrt. Ich leckte meine Lippen. Ziki leckte ihre. Ich atmete ein und sie atmete ein.

Und dann kam sie auf mich zu. Ihre Hüften schwangen genauso wie auch meine. Ich wich vor ihr zurück und stieß gegen einen Stapel dieser zusammengelegten Tische. Sie streckte die Hand aus und berührte mich mit meinen Fingern. Sie fuhr durch die Schlucht zwischen meinen Brüsten. Sie fuhr mit dem Finger über meine Titte und berührte meinen harten Nippel. Lust floss durch mich hindurch.

Das war so irre!

Wir sanken auf den Fußboden und küssten uns. Unsere Hände erkundeten einander. Ich wusste genau, wo ich sie anfassen musste und sie wusste genau, wo sich mich anfassen musste. Noch nie in meinem Leben hatte mich jemand derartig erregt. Je länger wir uns küssten, je mehr wir uns berührten, umso näher kamen wir einander. Ihre Zunge war der Spiegel meiner Zunge. Wo auch immer ich ihre Muschi küsste, da küsste sie die meine. Ich saugte ihren Kitzler, sie saugte meinen. Ich vergrub mein Gesicht in ihrer Fotze und lutschte und leckte. Ich stöhnte vor Lust, während sie mich ausleckte.

Sie schob mir einen Finger in die Muschi und ich machte es ihr nach und schob ihr einen in ihre Fotze. Sie fühlte sich genauso an, wie ich mich erinnerte. Ich winkelte den Finger an und suchte nach diesem besonderen Punkt, der die Explosion auslösen würde. Genau da war er. Ich kannte ihre Muschi ganz genau. Wir berührten einander gleichzeitig an den G-Punkten.

Wir kamen gemeinsam. Wir zuckten in die Fotze der anderen und all meine Gedanken, all meine Erinnerungen und all meine Erfahrungen öffneten sich. Und sie kannte sie. Sie absorbierte sie wie ein Schwamm Wasser aufnimmt. Alles. Meine Geheimnisse. Die Geheimnisse des Meisters. Wir waren einen Bruchteil einer Sekunde ein einziges Wesen. Unsere Seelen waren fest verbunden. Verbunden durch Lust.

Und dann ließ der Orgasmus nach und wir trennten uns voneinander.

Ich erstarrte. Mein Doppelgänger stand auf. Oh, nein! Sie wusste alles! Sie hatte mir das kostbarste aller Geheimnisse gestohlen. Sie wusste jetzt, dass der Meister und die Herrin Lilith nicht töten durften. Nicht, wenn sie das Ende der Welt verhindern wollten.

„Nein!“ rief ich. Ich sprang mich an, aber sie duckte sich einfach weg und schlüpfte aus dem Zimmer. Die Tür fiel mit einem metallischen Geräusch ins Schloss. Ich griff nach dem Türknopf und öffnete. Die Löwenfrau war dort und sie zeigte mir ihre Zähne. Ich stolperte ängstlich wieder zurück.

Ich ließ mich auf den Boden fallen und schluchzte. Oh, Götter, was hatte ich getan?

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Mark – Hauptquartier des I. Korps, JBLM
Das Filmmaterial der Drohne war schwarz/weiß infrarot. Jeder leuchtete hell. Die letzten meiner Soldaten hielten noch das Washington State Convention Center, während Liliths Monster scharenweise das Gebäude angriffen. In der Pine Street detonierte eine Bombe, die von einer A-10 abgeworfen worden war. Sie hinterließ einen gigantischen Krater und die Überreste von etwa einem Dutzend von Liliths Töchtern.

Aber es kamen immer mehr.

Eine zweite A-10 kam in Sicht. Sie feuerte mit der mächtigen Kanone, die vorne montiert war. Es handelte sich um eine Anti-Panzer-Waffe und die Geschosse hinterließen kleine Krater, während sie die achte Straße entlang wanderten. Autos und Monster zerplatzten. Dann erschien plötzlich eine weiße Linie aus einer Gruppe Monster und eine Tragfläche der A-10 fiel ab. Die Maschine wirbelte durch die Luft und knallte in ein Gebäude. Rauch und Flammen stiegen auf. Dann brach das Gebäude in einer gigantischen Staubwolke zusammen.

Das war die dritte A-10, die wir verloren hatten. Außerdem waren zwei F-22 von fliegenden Monstern vom Himmel geholt worden. Die Piloten hatten aufgeregt berichtet, dass eine dickliche Frau mit Flügeln ihnen das Kabinendach weggerissen hatte.

„Seattle ist verloren“, murmelte General Brooks. „Es wird sehr verlustreich sein, die Stadt wieder einzunehmen. Ich habe die Legion mobilisiert, die noch in der Region ist. 3000 Männer. Die Air Force schickt weitere Bomber und Jagdflugzeuge. Zum Glück ist der Prozentsatz an weiblichen Piloten höher als die 15% beim Rest des Militärs.“

Ich schaute Mary an, die an ihrer Unterlippe kaute. Sie sah eingefallen aus. Ich griff nach ihrer Hand und drückte sie. „Wie lange brauchen Sie, bis Sie einen Gegenangriff starten können, General?“

„Fünf oder sechs Stunden, mein Lord.“

„Tun Sie es“, befahl ich.

Der General nickte. Ich sah die Besorgnis in seinen Augen. Das würde ein Blutbad geben. Lilith musste diese Armee in Afrika ausgebrütet haben. Ihre Töchter wuchsen unnatürlich schnell heran. Sie waren länger im Bauch (vierzig Tage) als sie brauchten, um erwachsen zu werden. Dieser Prozess fand in nur drei Tagen statt. Das einzige Positive war, dass eine menschliche Frau nur jeweils einmal ein Kind für Lilith austragen konnte. Die meisten waren Einzelkinder, aber man hatte auch schon von Zwillingen gehört und selbst Drillinge waren nicht ausgeschlossen. Es gab aber keine zweite Schwangerschaft.

„Mein Lord“, sagte ein Leutnant. „Eine gewisse Chantelle ist am Telefon.“

„Stellen Sie sie durch“, befahl Mary und setzte sich auf.

Der Leutnant leitete den Anruf zu der Telefonanlage mit Freisprecheinrichtung, die in der Mitte des Konferenztisches stand. „Ich bin die Hohepriesterin Chantelle Paquet-Holub. Mit wem spreche ich?“

„Schön, deine Stimme zu hören“, sagte Mary. „Wir suchen schon seit Monaten nach dir und Lana. Wir vermissen euch.“

Chantelle lachte. „Ich vermisse es aber nicht, eure Sklavin zu sein, selbst wenn es nur für einen Tag war.“

Ich knirschte mit den Zähnen. Es war möglich, dass Chantelle Liliths Sklavin war und keine willige Sympathisantin wie Fiona und Thamina. Es tat weh zu entdecken, dass unsere früheren Schlampen nun gegen uns arbeiteten. Wir liebten sie und hatten sie freigelassen. Und sie hatten die Stirn, zu Lilith zu wechseln. Undankbare Bitches! Und was war eigentlich mit Noel. War sie auch zu Lilith gewechselt?

„Was will Lilith?“ fragte ich.

„Einen Waffenstillstand“, sagte Chantelle. „Und einen Austausch von Gefangenen. Wir haben Jessica und ein Dutzend eurer Soldaten. Wir wollen sie gegen Fiona austauschen.“

„Wann und wo?“ fragte Mary.

„Morgen um 07:00. An der I-5 an der Stadtgrenze Seattle“, antwortete Chantelle.

„Wir müssen das intern diskutieren“, sagte ich.

„In Ordnung“, sagte Chantelle. „Ich rufe in einer Stunde wieder an.“ Es klickte und summte, als die Verbindung unterbrochen war.

„Was gibt es da zu diskutieren?“ fragte Mary. „Wir können Jessica zurückbekommen.“

„Wenn wir den Angriff verschieben, geben wir Lilith die Möglichkeit, sich einzugraben“, erklärte ich.

„Und was ist, wenn…“ Sie verstummte und sah mich unverwandt an. Was ist, wenn Lilith stirbt, wollte sie fragen. „Der Angriff ist ein Risiko.“

„Und nach dem Austausch?“

Mary kaute an ihrer Lippe. Sie behandelte sie derartig roh, dass ich fast befürchtete, sie würde sie abbeißen. „Wir greifen an“, sagte sie schließlich.

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Montag, 18. November 2013 – Mary – I-5 Stadtgrenze Seattle
Der Eisregen hämmerte auf die Haube der Limousine, als wir dreihundert Meter vor der Stadtgrenze von Seattle anhielten. Eine ganze Kolonne gepanzerte Fahrzeuge eskortierte uns. Zwanzig Stryker und zwei Abrams M1 Kampfpanzer. Über uns kreisten Apache und Black Hawk Hubschrauber. Wir waren auf alle Eventualitäten vorbereitet, falls Lilith während des Austauschs der Gefangenen etwas unternehmen sollte.

Zwischen mir und Mary saß Fiona, gefesselt und geknebelt. Die blonde Frau war während ihrer Haftzeit von uns gut behandelt worden und sie schien sich darauf zu freuen, zu Lilith zurück zu kommen.

Bist du soweit? sendete Mark.

Ich wusste, dass er nicht wollte, dass ich zum Austauschpunkt mitkam. Ich fand es richtig süß, wie er ständig versuchte, mit zu beschützen. Aber ich konnte nicht einfach zurückbleiben und abwarten. Ich hatte meine verzauberte stichsichere Weste an und ich war darauf vorbereitet, jeden Zauberspruch zu schleudern, der notwendig war, um uns zu schützen. Sam hatte in den Schriftrollen vom Toten Meer einen Lähmungsspruch ausgegraben, das war so ungefähr das einzige Sinnvolle, das sie bisher in Israel gefunden hatte. Ich prüfte noch einmal, ob ich das bronzene Messer bereit hatte. Für den Fall, dass ich schnell ein Portal in die Schatten schneiden musste, wenn etwas schiefging.

Ja, lass uns Jessica holen, schickte ich zurück.

Der Regen war eiskalt. Ich erlitt fast einen Schock, als ich aus dem Wagen ausstieg. Es regnete stark und schnell klebte mein Haar an meinem Kopf. Es war noch dunkel, die Sonne fing gerade an aufzugehen. Zumindest glaubte ich das. Man konnte das bei den dichten Wolken über uns nicht genau sagen. Ein Wind kam auf und trieb den Regen seitwärts. Um uns herum stiegen die Soldaten von ihren Strykers ab und bildeten eine Abwehrlinie. Ich nahm mir Fiona und führte sie nach vorne.

Sechshundert Meter von uns entfernt an der I-5 wartete eine ganze Gruppe Monster, dunkle Schatten im treibenden Regen. Wir hatten verabredet, dass wir uns in der Mitte treffen würden. Jede Seite sollte nur jeweils fünfzehn Wachen mitbringen. Mark ließ seine himmlische Goldrüstung erscheinen und sein Schwert und dann rief er unsere Wachen herbei. Ein Nebel erschien und fünfzehn Gestalten bildeten sich um uns herum. Chasity, Karen und die dreizehn toten Leibwächterinnen. Sie hatten alle silberne Rüstungen an und trugen silberne 9 mm Pistolen.

„Meister, Herrin“, grüßte uns lächelnd Chasity. Sie sah entschlossen aus, eine Kriegerin mit blonden Haaren und blauen Augen. Eine Walküre.

„Schön, euch alle zu sehen“, sagte ich. „Wir vermissen euch.“

„Wird sie irgendwas versuchen?“ fragte Mark Karen. Wir riefen sie öfters, um Informationen zu erhalten.

„Nicht, dass ich das vorausahnen könnte, Meister“, antwortete Karen. Ich blinzelte, weil ich gerade bemerkte, dass der Regen einfach schräg durch ihren Geisteskörper hindurch wehte. Es musste wohl ganz nett sein zu kontrollieren, wann man mit der materiellen Welt interagiert. „Sie haben das Rathaus mit Sprüchen abgeschirmt. Ich kann nicht hineinsehen.“

Ich konnte sehen, dass sich eine kleine Gruppe löste und den Highway entlang kam. Das musste wohl Lilith mit ihre Wachen sein. Ich stieß Mark an und er nickte und murmelte: „Dann wollen wir es mal hinter uns bringen.“

Wir gingen den Highway hinunter. Hinter uns war unsere Armee, um uns abzuschirmen, wenn etwas schiefging. Unsere Geister bildeten einen Kreis um uns herum. Meine Nerven flatterten, als Liliths Gruppe besser zu erkennen war. Sie musste die fünfzehn größten ihrer Töchter ausgesucht haben: da waren zwei der Riesinnen, beinahe drei Meter groß, drei der kräftigen Frauen mit Flügeln und zwei Löwenfrauen, die nach Mark vergiftete Stacheln spucken konnten. In der Mitte ging Lilith. Ihr silbernes Haar klebte an ihrem üppigen Körper. Chantelle ging neben ihr und führte Jessica.

Erleichterung durchflutete mich. Sie sah gut aus. Ein hoffnungsvoller Blick erschien in ihren Augen, als sie uns erkannte. Hinter ihnen marschierte eine Gruppe von unseren Soldaten, die gefangen genommen worden waren. Sie sahen stolz aus, wie sie so ohne Waffen marschierten. Sie wollten wohl ihren Fängern ihre Schwäche nicht zeigen. Beide Gruppen blieben in einem Abstand von ca. 20 Metern stehen. Mein Herz klopfte wie wild und ich versuchte, ein Zittern zu unterdrücken. Ich hatte in der vergangenen Woche aus nächster Nähe gesehen, zu was die Monster fähig waren und trotz unserer Geisterwachen war ich mir nicht sicher, ob die Karten gut für uns gemischt waren.

„Meine Göttin will von Angesicht zu Angesicht mit euch reden“, rief Chantelle. „Sie schlägt vor, dass wir die Wachen zurücklassen und uns in der Mitte treffen, damit wir reden können.“

„Worüber reden?“ rief ich zurück.

„Einen Waffenstillstand!“

Ich schaute Mark an und er zog eine Grimasse. „Du solltest hierbleiben. Ich werde alleine gehen“, sagte er schließlich. „Es ist zu…“

Ich berührte seine Lippe mit dem Finger. „Ich weiß. Aber wir stecken hier beide drin. Mein Leben ist an deines gebunden.“

„Okay“, sagte er steif. „Dann lass es uns tun.“

Wir gingen vorwärts und Lilith und Chantelle taten das Gleiche. Lilith war so wunderschon, wie ich sie in Erinnerung hatte. Selbst in diesem strömenden Regen. Im Gegenteil. Das Kleid, das an ihrem Körper klebte, erhöhte noch die Sinnlichkeit ihres Auftretens. Meine Augen fielen auf Chantelle, die nur durchnässt und verfroren aussah. Und trotzdem bewegte sie sich mit der Grazie einer Tänzerin.

„Lilith“, grollte Mark.

Die Dämonin ignorierte Mark und schaute mich an. „Hallo, Mary. Denkst du manchmal noch an den Schwanz, den ich dir gegeben habe?“

Meine Wangen wurden warm und Liliths Lächeln wurde breiter. Diese Bitch erzählte mir von der Magie der Hexe von Endor, um mich in Versuchung zu führen! „Wir sind nicht hier, um darüber zu sprechen“, schnappte ich. „Was willst du?“

„Was ist nur mit eurer Gattung passiert?“ wunderte sich Lilith. „Früher hat man viel mehr Wert auf gewisse Formen gelegt. Heute geht es immer nur schnell, schnell. Das ist so… würdelos.“

„Hör auf mit dem Scheiß!“ grollte mein Mann. Er ballte seine rechte Faust und sein Gesicht rötete sich. Er wollte wohl sein Schwert nehmen und es der Bitch in den Leib rammen, egal wie die Konsequenzen waren. Und ein Teil von mir war damit durchaus einverstanden. Sie hatte Karen getötet!

„Seattle“, antwortete Lilith. „Das ist meine Stadt und ich will, dass ihr das auch formell anerkennt.“

Mak lachte. „Warum sollten wir das tun? Du kommst nicht gegen meine Kräfte an.“

„Nein“, gab sie zu. „Aber du willst mich nicht töten.“

Ich hatte nicht gedacht, dass mir in diesem strömenden Regen noch kälter werden konnte. Aber ihre Worte waren wie Eis in mir. Kennt sie die Wahrheit? Sie hatten Jessica gefangengenommen.

„Ich würde nichts lieber tun!“ grollte mein Mann.

„Es ist schade, dass sich diese Seuche auf der Welt ausbreitet“, lächelte Lilith wie eine Schlange, die eine Maus beobachtet.

„Wir wissen, dass du dafür verantwortlich bist“, spuckte Mark. „Und wirst für all die Toten noch bezahlen.“

„Wirklich?“ fragte Lilith. „Wenn mir etwas zustoßen sollte, dann kann ich nur ahnen, was meine Töchter tun würden. Sie waren sicher untröstlich und in ihrer Trauer könnten sie eine weitere Krankheit verbreiten, Eine, die nicht so viele Unterschiede macht.“

Eine verrückte Erleichterung durchlief mich. Lilith wusste offenbar doch nicht, dass wir sie nicht töten durften. Und jetzt hatten wir noch einen Grund, warum wir diese Bitch verschonen mussten. Das Center for Desease Control war sehr deutlich gewesen. Die Krankheit war so angelegt, dass nur Männer davon befallen wurden. Und das konnte auch geändert werden.

„Erpressung, Lilith?“ fragte Mark. „Das finde ich jetzt aber echt enttäuschend.“

„Ihr seid mir zu machtvoll geworden, Mark“, seufzte Lilith. „Es ist zwecklos, dass wir einander bekämpfen. Wir werden uns nur gegenseitig zerstören. Gebt mir Seattle und ihr könnt den Rest haben.“

„Wirklich?“ fragte ich und ich konnte den Hohn in meiner Stimme nicht unterdrücken. Traue niemals einem Dämon.

„Es ist besser, als in den Abgrund zurückzukehren“, erwiderte die Dämonin. „Was auch immer in Seattle passiert, ist meine Sache und nicht eure. Und was auch immer außerhalb passiert, ist eure Sache.“

Ich glaube nicht, dass wir eine Wahl haben, Mark, schickte ich. Selbst wenn sie mit dieser Krankheit blufft, wir sind noch nicht bereit, gegen Lucifer zu kämpfen. Wenn wir die Stadt angreifen, dann könnte Lilith leicht durch einen Unfall getötet werden.

„Und was ist mit den Männern in der Stadt?“ fragte Mark. „Wirst du sie gehen lassen?“

„Ich werde dafür sorgen, dass sie ordentlich behandelt werden.“ Ich schüttelte mich wegen des Giftes in ihrem Ton. „Das muss euch nicht interessieren. Was sind schon ein paar Tausend Männer gegen die ganze Welt?“

Ich konnte die Frustration in Marks Gesicht sehen. Seine Fäuste waren beide geballt. „Okay. Seattle gehört dir. Aber sowie eine deiner ‚Töchter‘ ihren Fuß außerhalb der Stadtgrenzen setzt, dann wir sie gejagt und exekutiert.“

„Mehr als vernünftig“, säuselte Lilith.

„Und wenn es einen weiteren Ausbruch gibt, dann werde ich Seattle in Trümmer verwandeln“, versprach Mark. „Ich habe das nukleare Arsenal der USA unter meiner Kontrolle. Ich gebe dir diesen wohlgemeinten Hinweis.“

Ich sah einen kurzen Moment Besorgnis, ja sogar Angst über ihr Gesicht gleiten und dann war sie wieder ganz schwüle Frechheit. „Dann sind wir also abgestimmt. Ich schlage vor, dass wir uns einmal im Jahr hier treffen am Jahrestag des heutigen Treffens, falls es irgendwelche Dinge gibt, die wir besprechen müssen.“

„Einverstanden“, spuckte Mark.

„Dann haben wir also eine Abmachung.“ Sie winkte nach hinten und unsere Soldaten marschierten nach vorne und an uns vorbei. „Eine Geste meines guten Willens“, erklärte Lilith. „Und jetzt schickt mir Fiona und ich schicke euch eure kleine Schlampe.“

Fiona und Jessica gingen beide nach vorne. Jessica hielt den Kopf hoch und versuchte, den Regen zu ignorieren. Fiona dagegen beugte sich nach vorne und hatte die Arme um sich geschlungen. Sie zitterte. Ich spürte Marks Spannung, sie war noch schlimmer als meine eigene. Jede Sekunde konnte Lilith uns betrügen. Das konnte alles nur ein Ablenkungsmanöver sein, damit wir nicht weiterhin wachsam waren. Jessica und Fiona gingen aneinander vorbei. Jessica starrte Fiona an. Die frühere Schlampe reagierte nicht einmal. Ein Lächeln breitete sich auf dem karamellfarbenen Gesicht unserer Schlampe aus, als sie sich uns näherte. Fiona erreichte Lilith und die beiden zogen sich zurück.

Jessica warf ihre Arme um mich und umarmte mich stürmisch. „Danke Herrin. Danke, danke, danke!“

„Haben sie dir wehgetan?“ fragte ich sie. „Oder…“

„Nein, sie haben mich nur im Keller eingesperrt“, antwortete sie. Sie zitterte in meinen Armen. Sie war nicht entsprechend dem Regen angezogen. „Aber sie haben mich nie angefasst.“

„Komm, wir bringen dich nach Hause“, sagte ich Jessica. Ich schlang meinen Arm um sie und warf einen letzten Blick über meine Schulter in Richtung auf Lilith. Sie schien sich zurückzuziehen. Ich seufzte. Es war keine Falle gewesen.

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Noel Heinrich – Hauptquartier der Patrioten, Montana
„Sie haben ein Mädchen gefunden“, sagte Wyatt, als ich aus dem Portal aus den Schatten kam. „Wir haben sie in dem kleinen Zimmer untergebracht.“

Wyatt, mein Stellvertreter, drückte Lehm in die Golem-Form aus Kaninchendraht. Weitere sieben Golems – aus dem roten Lehm, die entfernt aussahen, wie kräftige Männer – waren auf der Wiese vor dem Bauernhaus zu erkennen, das als unser Hauptquartier diente. Wir waren 25 Meilen südlich von Sanford in der Mitte von Nirgendwo in Montana. Der nächste Nachbar war über fünf Meilen weit weg. Der perfekte Ort, um das Ende von Mark Glassner und seiner Theokratie auszuhecken.

„Gut“, nickte ich.

„Bist du dir wirklich sicher, dass du das tun willst?“ fragte er. „Es ist noch nicht zu spät, wir können das Mädchen noch laufenlassen. Das, was du vorhast, ist böse!“

„Die Golems sind schon ganz schön weit. Wie lange wird es noch dauern, bis alle fertig sind?“

„Es geht schneller, als wir befürchtet hatten. Vielleicht noch sechs Monate“, antwortete er. Er fixierte mich mit den Augen. „Du bist meiner Frage ausgewichen.“

„Wir brauchen die Klinge“, antwortete ich. „Das ist die einzige Möglichkeit, die Geister auszuschalten, die sie beschützen. Mark denkt, dass die Schatten sicher sind und er erwartet sich keinen überwältigenden Angriff von dort aus.“

Er seufzte und schüttelte den Kopf. „Dein Hass wird dich noch umbringen, Noel.“

„Das ist mir egal, solange ich die Tyrannen mitnehmen kann.“

Er wandte sich wieder den Golems zu. „Eine Menge Menschen werden sterben, wenn wir diese Monstrositäten loslassen.“ Er zog eine Grimasse. „Unschuldige Menschen.“

Mehr Blut für den Baum der Freiheit. Die Menschheit von dieser Tyrannei zu befreien, war jeden Preis wert. „Wir haben noch sechs Monate, um eine Möglichkeit zu finden, um Mark zu töten, ohne dass wir auf solche extremen Maßnahmen zurückgreifen müssen.“ Ich schaute auf das Haus. „Ist sie drinnen?“

„Ja.“

Ich ging zum Bauernhaus hinüber und nickte dem großen Davin zu. Er lehnte neben der Tür und rauchte eine Zigarette. Er nickte zurück und sagte nichts. Er war ein guter Mann und umgänglich. Er schaute mit leerem Blick vor sich hin. Wyatt war offenbar nicht der einzige, der ein Problem mit meinem Plan hatte.

„Du wirst nie mehr dieselbe sein, wenn du das tust, Noel“, sagte Wyatt. „Denk nochmal darüber nach.“

Ich schüttelte den Kopf und ging durch die Tür. „Ich habe keinerlei Bedenken, das zu tun. Es muss getan werden.“

Ich griff nach der Tür zu dem kleinen Zimmer. Er fasste mich am Arm. „Das bedeutet aber nicht, dass es dich nicht verändern wird, Noel.“

Ich schüttelte ihn ab. „Es ist die einzige Möglichkeit, Asherah herbeizurufen.“ Ich öffnete die Tür.

To be continued…

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